Bayern 2 - Zündfunk

Wo ist vorne? Wie Hipster die Welt eroberten

Hornbrille, Flanellhemd, Skinnyjeans: Das ist die vermeintliche Uniform der Hipster. Und doch es ist schwer zu definieren, was eigentlich einen Hipster ausmacht und warum es sie zwar überall gibt - aber niemand einer sein will.

Autor: Caroline von Lowtzow Stand: 01.02.2012
Hipster | Bild: picture-alliance/dpa

Hipster erkennt man sofort. In jeder größeren Stadt gibt es ein Viertel, in dem man sie trifft. Modebewusste Mittzwanziger bis Mittdreißiger mit engen Jeans oder glitzernden Leggins, altmodischen Flanellhemden, großen Brillen und farbigen Palitüchern. Hipster wissen immer, was angesagt ist. Zwischen Kapstadt und Kopenhagen, Tokyo und London, Erlangen und Istanbul tragen sie dieselben T-Shirt-Marken, laden dieselbe Musik runter und fahren dieselben Fahrräder.

Hipster überall - und trotzdem will keiner dazugehören

Trotzdem ist es schwierig, den Hipster genauer zu definieren, denn das Wesen des Hipstertum ist es, sich ständig zu wandeln und neue Ausprägungen anzunehmen. Und vor allem: alles in sich aufzusaugen und einzuverleiben, was es an gegenkulturellen Bewegungen und Alternativen zum Mainstream je gegeben hat. Die verschiedenen, oftmals radikalen Subkultur-Ströme der letzten Jahrzehnte - Beat, Hippie, Punk, Grunge - sind zu einem großen Fluss verschmolzen.

Einem Fluss, der hier und da durch einen Zufluss an ironisch umgedeuteter Trash-Kultur gespeist wird, zum Beispiel in Form von bunten Plastikbrillen oder Opahütchen, aber nie über seine Ufer tritt und auch mal richtig rebelliert, sondern immer schön in seinem gesellschaftlich akzeptierten Flussbett dahin fließt. Aber wie kam es zu diesem transatlantischen Melting-Pot der Styles, der Verhaltensformen und der Geschmacksrichtungen? Und warum gibt es zwar auf der ganzen Welt Hipster, aber warum will niemand ein Hipster sein?

Wiederholung der Sendung aus dem Jahr 2009.

Am 8. Februar präsentiert der Zündfunk einen Themenabend zum Thema "Wo ist vorne? Gespräch über Hipstertum" in den Münchener Kammerspielen.