Bayern 2 - Zündfunk

Is this real life? Kulturelle Massenphänomene im Netz

Oftmals ist ein Internetmem schon wieder vorbei, bevor man überhaupt weiß, wie es angefangen hat. Ein äußerst populäres Beispiel liefert 2013 der allseits beliebte Harlem Shake. Der Generator über Massenphänomene im Netz.

Von: Christian Schiffer Stand: 02.10.2012

30. Januar 3013: Der japanisch-amerikanischer College-Student George Miller lädt eine dreieinhalb-minütige Zusammenstellung verschiedener Videos auf YouTube hoch. Den Anfang macht ein 19-Sekunden-Clip, bei dem Miller und drei Freunde im Schlafzimmer zu einem obskuren Stück elektronischer Musik abzappeln. Es handelt sich um einen Track des wenig bekannten DJs und Produzenten Harry Rodrigues aka “Baauer.” Mit dem ursprünglichen „Harlem Shake“, der in den 80ern in Harlem erfunden wurde, hat das, was  George Miller imd seine Kumpels aufführen, recht wenig zu tun. Im Rest der Welt wird das Herumgezappel zu Baauers Song zum Hit. Das Gründe: Es ist ziemlich leicht, mitzumachen - zwei  Videosequenzen und genau ein Schnitt reichen aus, trotzdem steckt ein gewisses kreatives Potential in der Idee und dann hat es auch noch mit Tanz zu tun. Und Tanzen, das ist eine universelle Sprache, die im Internet ziemlich gut funktioniert, was nur Wochen vor George Miller auch der Südkoreaner Psy mit seinem „Gangnam Style“ beweist. Harlem Shake wird so zu einem weltweiten Phänomen, ein Mem entsteht.

Jakob Jochmann ist Experte für Semantik im Internet und bloggt auf seiner Webseite Jochmann.me. Er erklärt, was ein Mem ausmacht:

"Eines der Grundcharakteristika dieser Meme, zumindest auf Seiten der Community, die sie selbst als Meme bezeichnen, ist, dass sie einem ständigen Wandel unterliegen und eines ihrer Kennzeichen ist, dass jeder die Essenz beibehält, aber ihnen seine eigene Perspektive verleiht, sei es mit anderen Bildunterschiften oder ein Video in einen anderen Kontext setzt. Also Rekontextualisierung, bei der aber gleichzeitig ein Bedeutungsgehalt als Kernelement erhalten bleibt. Das halte ich für ein Grundkennzeichen und dementsprechend haben sich Meme schon immer verändert. Es gibt ganze Datenbanken, wo so eine Art Wettbewerb stattfinden, wer denn die lustigste Bildunterschrift zu einem Foto hat."

Jakob Jochmann

Diesen Internetphänomenen widmet sich der Zündfunk Generator und fragt: Was macht ein Internetmem aus? Wie entstehen sie? Wie haben sie sich über die Jahre verändert? Und nicht zuletzt: Kann man mit ihnen auch Geld verdienen?

Gesprächspartner: Jakob Jochmann, Experte für Semantik im Internet, Benedikt Köhler, Unternehmensberater und Social Media Experte, Don Caldwell, Mitarbeiter bei der Webseite Know Your Meme.com, einer Webseite, die Internetmeme sammelt, katalogisiert und erklärt und der Philosophin Maria Kronfeldner


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