Reale und fiktive Fotos im Krieg Die Macht der Bildermacher
Die Macht von Bildern inmitten von Krieg wird oft unterschätzt. In der Generator-Reihe geht es darum, wie reale und fiktive Fotos unsere Vorstellung vom Krieg beeinflussen.
Das Jahr 2011 war voll von bedeutenden und dramatischen Ereignissen: Die Umbrüche im Mittleren Osten, die weltweiten Protestbewegungen sowie der Tsunami und die Katastrophe von Fukushima in Japan haben zahlreiche starke Bilder hervorgebracht. Dennoch war es ausgerechnet ein auf den ersten Blick gewöhnliches Gruppenfoto, das sich die meisten Klicks der globalen Fotocommunity "Flickr" sicherte: Elf Personen sitzen und stehen in einem Raum in Washington. Jeder, der diese Aufnahme betrachtet, assoziiert sie genau mit einem Ereignis: der gezielten Ermordung Osama bin Ladens in Pakistan.
Erst sehen, dann glauben
Der Kunsthistoriker Michael Diers meint in dieser Aufnahme einen Verweis auf unser kollektives Bildgedächtnis zu erkennen: Die "Anatomie des Dr. Tulp" von Rembrandt.
Gut 300 Jahre liegen zwischen dem Gruppengemälde und der Aufnahme aus dem Weißen Haus. Die Bilder ähneln einander: Komposition und Aufteilung sind nur spiegelverkehrt. In Rembrandts Bild schauen die Studenten an das Ende des Tisches, wo ein aufgeschlagener Anatomieatlas liegt. Sie betrachten nicht den offenen Unterarm, der die Realität darstellt, sondern ein Abbild in einem Buch. Rembrandt drückt damit aus: Wir glauben etwas erst, wenn wir ein Bild davon gesehen haben. So sehen wir im Situation Room auch nur Menschen, die an der Kamera vorbei auf ein vermeintlich "wahres" Bild der Hinrichtung bin Ladens blicken.
Welche Kraft haben Bilder?
Ist das Bild aus dem Situation Room in Washington glaubwürdig, weil uns Hilary Clinton in ihrer Geste zeigt, was sie Schreckliches auf dem Bildschirm sieht? Oder glauben wir der Quelle des Bildes, dem offiziellen White House Photographen, weil er für eine mächtige Institution arbeitet? Bilder haben weitaus mehr Suggestionskraft als wir ihnen zugestehen.
Der Zündfunk Generator beschäftigt sich deshalb mit den Fragen: Woher kommen die Bilder aus Krisenkontexten und Kriegsregionen? Wer macht sie, und welche Kraft steckt in ihnen.
- Mit den renommierten Fotographen Thomas Dworzak und Paolo Pellegrin. Beide sind Mitglieder der Fotoagentur Magnum und arbeiten seit mehr als 15 Jahren als Krisenberichterstatter.
- W.J.T. Mitchell, Begründer der zeitgenössischen Bild-Theorie. Mitchell versteht Bilder als kulturelle und soziale Konstrukte, die erst durch den Betrachter vollendet werden.
- Michael Diers, Kunsthistoriker argumentiert, dass Bilder keine reine Abbildung eines Augenblicks sind, sondern in einem geschichtlichen und kulturellen Kontext verwoben auf Vor- und Gegenbilder verweisen.

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