Bayern 2 - Zündfunk


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Foodamentalismus Wie Essen zum Pop-Phänomen geworden ist

Lokaler Kaffee, das glückliche Schwein beim Metzger "Kumpel und Keule", die kleine Geheimtipp-Brauerei. Wir essen uns glücklich: Food ist heute eine Lifestyle-Frage. Was sagt das über uns? Und was kommt eigentlich morgen auf den Tisch?

Von: Birgit Frank

Stand: 21.07.2017

In der Markthalle Neun in Berlin Kreuzberg gehen die Hipster einkaufen – aber nicht nur die. Vor der Metzgerei „Kumpel und Keule“ stehen die Leute Schlange. Hinter der Theke stehen tätowierte Menschen mit Käppi und belegen Burger. Hendrik Haase alias „Wurstsack“ – unter diesem Namen twittert und bloggt er – hat die Metzgerei in der Markthalle Neun mitgegründet. Seine Mails unterschreibt er „mit kulinarischen Grüßen“. In der Vitrine vor ihm liegt ein Schweinekopf – der ist ihm wichtig. Vom halben Schwein bis zur Wurst, hier kann jeder den Kumpels beim Metzgern zuschauen. Unters Messer kommt zum Beispiel das Schwäbisch-Hällische Landschwein: Diese Schweine stehen lange auf der Weide, fressen gerne Eicheln und wachsen langsam. Der Burger im „Kumpel und Keule“ kostet acht Euro – mindestens.

„Essen hat viele andere Themen wie zum Beispiel Mode abgelöst. Essen ist ein Thema, bei dem man sich im Moment eigentlich neu erfinden kann“, sagt die Ernährungsforscherin Hanni Rützler. Wer heute beim Bier auf einer Party steht – das Bier ist natürlich von der Brauerei aus der Gegend – der unterhält sich gerne über das, was er gerade isst – oder eben aus Prinzip nicht isst. Smoothies und Superfood waren vorgestern. Heute probieren wir die Brote der Bäcker aus der Gegend durch – oder köcheln selbstgemachte Marmelade. Auch wenn nicht jeder ein Foodie ist….

"Der Begriff Foodie beschreibt eine Person, für die der Konsum von als ‚gut‘, ‚authentisch‘ oder ‚hochwertig‘ eingeschätzten Speisen und Getränken eine hohe Bedeutung hat. Dabei ist dieser Konsum in den Status eines Hobbys erhoben."

aus: Wikipedia.de

Die Metzgerei „Kumpel und Keule“ in der Markthalle Neun

Auch, wenn nicht jeder gleich ein Foodie ist: Wir stopfen nicht mehr einfach so etwas in uns hinein. Wir fragen uns vielleicht: Auf was habe ich heute richtig Lust? Was tut mir gut? Wir machen uns also Gedanken über unseren Teller. Und über das, was das Essen mit uns macht: Wir konsumieren keine Supermarktprodukte, sondern Lebens-mittel, mit Betonung auf LEBEN. Auf Marketing-Deutsch heißt das: Essen ist zum zentralen Thema der urbanen Alltagskultur geworden.

Was sagen die neuen Essentrends über uns? Wieso ist ausgerechnet Essen so wichtig geworden? Und wie beeinflusst das alles die Lebensmittelindustrie? Der Zündfunk Generator isst in Berlin Kreuzberg Burger von einer gläsernen Hipster-Metzgerei, analysiert mit einer Bio-Genossenschaft aus den 1980er Jahren, ob wir alle einen Sprung in der Schüssel haben – und wir besprechen mit einer Foodtrend-Forscherin, was morgen auf den Tisch kommt.


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