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Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen Mögliche Neuwahlen? Das sagen die Listen-Letzten!

Wie sich mögliche Neuwahlen auf das Wahlergebnis auswirken würden, ist vollkommen offen. Klar ist nur, wer ganz persönlich davon betroffen wäre: Die Politiker, die es im September auf den letzten Listenplätzen in den Bundestag geschafft haben und gerade frisch nach Berlin gezogen sind. Wir haben sie angerufen.

Von: Elli Veh

Stand: 22.11.2017

Gescheiterte Jamaika-Verhandlungen | Bild: picture-alliance/dpa

Eigentlich praktisch in der jetzigen Situation: Kisten mit Bürokram hatte Andrew Ullmann gar keine mitgebracht, als er von Würzburg nach Berlin umgezogen ist. Ullmann ist auf dem letzten Landeslisten-Platz der bayerischen FDP in den Bundestag gewählt worden. Er war in seinem vorherigen Leben Arzt. Sein neuer Arbeitsplatz ist auch zwei Monate nach der Wahl noch mehr Provisorium als Büro – zwei Räumlichkeiten für drei Abgeordnete und ihre gesammelte Mitarbeiter-Entourage. „Ein bisschen beengt“ sei das, so Ullmann, man könne sich nur „peu a peu einrichten“. Aber Andrew Ullmann wäre nicht bei der FDP, wenn er nicht ein durch und durch optimistisch denkender Mensch wäre. Deswegen ist er auch absolut davon überzeugt, dass er erstens bis Weihnachten ein eigenes Büro beziehen wird, und zweitens dort auch bleiben kann. Dass die FDP bei möglichen Neuwahlen Prozentpunkte einbüßen könnte – und er damit unter Umständen sein Mandat - daran glaubt Andrew Ullmann nicht: "Die Umfragen von gestern zeigen uns bei zehn Prozent und wir haben im September 10,7 Prozent erreicht, daran darf ich erinnern! 0,7 Prozentpunkte, das liegt im Rahmen der Messungenauigkeit, so dass da keine echte Bewegung bei dem Wählervotum zu finden ist. Eine Neuwahl würde die Machtsituation nicht verändern."

Danke, FDP!

Neuwahlen an sich, würde Andrew Ullmann trotzdem nicht begrüßen – er fände sie sogar schädlich. Schließlich hätten die Wählerinnen und Wähler den Parteien den Auftrag gegeben, ihre Meinung zu vertreten. Und wenn eine Sondierung nicht funktioniert, „dann gibt es ja immer noch die Möglichkeit, dass zwei Parteien eine Regierung bilden können.

SPD: "Die große Koalition ist abgewählt"

Andrew Ullmann meint damit auch die SPD. Auf dem letzten gewählten Platz der bayerischen Landesliste hat es für die Sozialdemokraten Gabriela Heinrich in den Bundestag geschafft. Sie kommt aus Nürnberg, war früher Redakteurin und sitzt bereits seit 2013 im Bundestag – im Gegensatz zu den Neuen in einem eigenen Büro. Das sollte auch so bleiben, und so hatte Gabriela Heinrich für die Wahl keine schlechte Startposition – Listenplatz 18 – allerdings: „Dass er so schlecht wurde liegt an dem schlechten Ergebnis, das wir hatten“, sagt Gabriela Heinrich. Und sie sagt auch: Es kann einen immer treffen, „das weiß auch jede Abgeordnete und jeder Abgeordnete“ - man muss eben immer mit allem rechnen. Auch, dass die eigene Partei recht progressiv mit dem Thema Neuwahlen um die Ecke kommt. Diese könnten Gabriela Heinrich das Mandat kosten, wenn das Ergebnis noch schlechter ausfällt als im September. Schade wäre das schon, „weil ich dann meine Arbeit nicht mehr machen könnte, die ich gerne machen würde“, sagt Gabriela Heinrich. Aber: Es sei die richtige Strategie, in die Opposition zu gehen, „die große Koalition ist abgewählt“. 13 Prozentpunkte verloren, da hilft es ihrer Meinung nach nichts, dass die große Koalition ja immer noch eine Mehrheit hat. Jetzt ist Selbstfindung angesagt, und die kann bekanntermaßen dauern: „Ich glaube, jeder der sich heute hinstellt, und was verkünden will, der wird scheitern“, sagt Gabriela Heinrich. Allerschlimmstenfalls müsse sie eben nochmal in den Wahlkampf. Kugelschreiber verteilen im Winter. Darauf hätte Gabriela Heinrich im Moment tatsächlich keine große Lust.

Die Grünen: "Strange, wenn daraus nur ein halbes Jahr werden würde"

Im Büro von Stefan Schmidt von den Grünen ist man auch noch mit der Innendeko beschäftigt – auch er hat sein endgültiges Abgeordnetenbüro noch nicht bezogen: „Soll heißen, es hängt noch nichts an der Wand“, sagt der Listen-Vorletzte der bayerischen Grünen. Stefan Schmidt kommt aus der Oberpfalz und ist eigentlich Hauptschullehrer. Dass sein Leben nicht für immer, sondern für maximal vier Jahre nach Berlin verlegt wurde, das ist ihm bewusst. „Strange“ fände er es aber schon, „wenn daraus nur ein halbes Jahr werden würde“. Und enttäuschend: „Ja natürlich. Ich habe mich ja zur Wahl stellen lassen, weil ich etwas verändern will“. Allerdings: Mögliche Neuwahlen sagen vom vorletzten gewählten Platz auf der grünen Landesliste aus betrachtet schonmal schlechter aus: „Ich bin überzeugt, dass wir eher dazugewinnen würden. Das zeigen ja auch die aktuellen Umfragen. Die Menschen haben verstanden, dass wir gut sondiert und klar kommuniziert haben. Ich glaube, das würde honoriert werden von der Bevölkerung“. 

Bis diese Bevölkerung allerdings erfährt, ob sie nun honorieren soll, oder wählen, oder beides, bis dahin wird vermutlich das Problem mit der provisorischen Büroeinrichtung gelöst sein. Immerhin. Vorerst.


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