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Songwriter, Gitarrist, Maler Drei Gründe, warum Graham Coxon mehr ist als nur der Gitarrist von Blur

Denkt man an Blur, denkt man an Damon Albarn. Das ist ungerecht! Denn der Erfolg der Britpop-Band liegt zu großen Teilen auch an Gitarrist und Songschreiber Graham Coxon. Eine Würdigung.

Von: Thomas Mehringer

Stand: 08.02.2018

Graham Coxon | Bild: picture-alliance/dpa/Rob Watkins

Was ist das erste, was uns zu Blur einfällt? Zu 95 Prozent denken wir als erstes an: Damon Albarn. Aber Blur sind natürlich mehr als das. Da sind seit der Gründung 1989 noch: Dave Rowntree an den Drums, Alex James am Bass, und der Leadgitarrist Graham Coxon - einer der besten Gitarristen seiner Generation.

Wo Albarn der Pop-Innovator und Tausendsassa ist, da ist Coxon eher der introvertierte Traditionalist, ein Bewahrer des britischen Pop in all seinen Facetten. Dabei hat Coxon solo noch keine schlechte Platte gemacht. Drei Gründe, warum Graham Coxon mehr ist als nur der Gitarrist von Blur:

Er hat Blur-Hits wie „Coffee & TV“ geschrieben

Was viele nicht wissen ist, dass Blur-Hits wie „Coffee & TV“ auf Coxons Konto gehen – und er sie auch gesungen hat. Im Song geht es um seine damalige Alkoholsucht: „Unter Leuten sein ist schwer für mich, haltet mich fern von dieser großen, bösen Welt“, reflektiert der eher introvertierte Gitarrist darin. Der Song stammt aus dem wohl besten Blur-Album „13“. Und Coxon ist mit seinen unvorhersehbaren, genialen Gitarren-Ausbrüchen nicht ganz unschuldig daran. 2002 steigt Coxon bei Blur aus. „Think Tank“, das Album, auf dem nur ein Song mit Coxon zu hören war, wird das schwächste der Band bleiben.

Er ist – wie sein Idol Syd Barrett – ein begnadeter Maler

Graham Coxon ist nicht nur Musiker, sondern auch bildender Künstler. Er hat zusammen mit Damien Hirst und Sam-Taylor Wood am renommierten Goldsmith-College studiert. Seine Werke wurden in diversen Galerien ausgestellt. Graham selbst sieht seine Kunst immer noch sehr demütig. Auf seiner Homepage fragt er ein wenig ängstlich: Der Musiker hasst den Soapstar, wenn der plötzlich singt, hasst der Künstler dann auch den Musiker, wenn er malt? Meine Antwort: Nicht, wenn er so malt wie Graham Coxon. Ich habe in meinem Leben nur einmal über ein Tattoo nachgedacht und zwar über das wunderschöne, morbide Graham-Coxon-Motiv “The Roman Bow”.

Er hat noch kein schlechtes Soloalbum veröffentlicht

Acht Soloplatten hat Graham Coxon veröffentlicht, die meisten davon während seiner Auszeit bei Blur von 2002 bis 2009 – und es ist keine miese Platte dabei. Sein Opus Magnum bleibt „Happiness in Magazines“ aus dem Jahr 2004. Ein Album, das den ganzen British-Explosion-Bands den Mittelfinger gezeigt hat, mit der Ansage: So geht das und nicht anders. Im Januar 2018 kam sein letztes Album raus, der sehr sensible Soundtrack zur formidablen Channel 4-Serie „The End Of The F***ing World“ (zu sehen auf Netflix). Darauf hört man – wie so oft – seine Verehrung für Syd Barrett, Scott Walker und Paul Weller.


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