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Album der Woche: Princess Nokia Warum Princess Nokia mehr Afropunk ist als alle anderen

Princess Nokia mischt den New Yorker Oldschool-Hip-Hop mit der Riot Grrrl-Attitüde und erweitert ihre 2016 erschienene EP "1992" in ein vollständiges "Deluxe"-Album. Unser Album der Woche.

Von: Maria Fedorova

Stand: 04.12.2017

Die New Yorker Rapperin Princess Nokia | Bild: BEGGARS GROUP LIMITED

Princess Nokia will sich nicht festlegen lassen, schon gar nicht auf eine einzige Identität, das kann ihr gestohlen bleiben. Sie ist viele. Eine puertoricanische Hexe, die mystische Rituale durchführt und so ihre familiären Wurzeln feiert. Oder ein Manga-Mädchen, ein Goth Kid und Marilyn Mason Fan. In einer nächsten Metamorphose wird aus der schwarzen Friedhofs-Bewohnerin die Princess of the Hood, eine coole Skaterin, wie aus dem Larry Clark Kult-Film "Kids". Mit einem Joint in der einen Hand und einem Marvel Comic Buch in der anderen stolziert sie durch den Central Park.

Ein Streifzug durch unzählige Subkulturen

Allein schon der Name: Princess Nokia! Und wenn sie auf ihren Songs und Videos durch all diese Subkulturen streift wie durch zehn nostalgische Netflix-Staffeln auf einmal - dann merkt man: Princess Nokia ist ein Kind der 90er. So steht der Titel des Albums "1992" für ihr Geburtsjahr und das Abfeiern dieser Zeit. "1992" entstand erstmal als ein Mixtape, das Princess Nokia auf YouTube und Soundcloud veröffentlicht hat. 2017 erweitert sie die EP um acht neue Tracks in ein vollständiges Deluxe-Album. Und probiert dort möglichst viele verschiedene Stile aus. Egal ob Trap, Oldschool- oder New Wave Hip-Hop: Dieses Durcheinander an pop-kulturellen Referenzen wird getragen durch zwei Konstanten. Eine davon ist die Stadt New York. Sowohl in ihren Songs als auch in ihrem Podcast "Smart Girl Club" erzählt Princess Nokia Geschichten straight out of Spanish Harlem.

Und dann gibt es noch die zweite Konstante: Feminismus und Empowerment. Egal in welche Figur oder Subkultur sie schlüpft, sie spielt gerne mit ihrer Geschlechtsidentität und demonstriert Black Pride. All das, was sich hinter den Buzzwords "Body Positivity" oder "Queerness" verbirgt, bringt Princess Nokia derbe rüber. Das macht Spaß, und der Hip-Hop wird hier zum Punk.

DIY Hip-Hop und Riot Grrrl-Tradition

Albumcover "1992 Deluxe" von Princess Nokia

Sagen wir mal so: sie hat bei den Besten gelernt - bei den Riot Grrrls. Und Elemente dieser Bewegung holt Nokia wieder auf die Bühne. Auf ihren Konzerten fordert sie Frauen auf, in die ersten Reihen zu treten, wie das schon Kathleen Hanna von der Band Bikini Kill gemacht hat. Princess Nokia kann das, was der Pop schon immer am Besten konnte: sich an allem gleichzeitig zu bedienen, zitatlastig wie subversiv. Das Album "1992 Deluxe" ist von Selbstdarstellung und Glam getrieben, die heute für die New Yorker Queer Rap Community typisch sind. Und die Verbindung vom DIY Hip-Hop und der Riot Grrrl-Tradition sitzt. Das ist Afropunk. Und hat daher die doppelte Menge an Energie.


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