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Ein zerbrochener Spiegel Suche in der "Streicher-Bibliothek" geht weiter

Die Suche nach den rechtmäßigen Vorbesitzern von NS-Raubgut in der Sammlung Israelitischen Kultusgemeinde, ehemals "Stürmer-Bibliothek" genannt, geht weiter: Die Stadtbibliothek Nürnberg veröffentlichte Anfang September 2010 eine weitere Suchliste mit 306 Namen aus 86 Orten aus dem deutschsprachigen Raum. Schwerpunkte der Herkunftsorte sind Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Nürnberg und Wien.

Von: Bernd Noack

Stand: 11.09.2010 | Archiv

Adolf Hitler (M) und Julius Streicher (r) auf dem "Deutschen Tag" am 2. September 1923 in Nürnberg während des Vorbeimarsches von 6000 uniformierten Nationalsozialisten.  | Bild: picture-alliance/dpa

Am 2. September 2010 fand dazu in der Stadtbibliothek Nürnberg ein Pressegespräch statt, bei dem Eva Homrighausen, Direktorin der Stadtbibliothek Nürnberg, Leibl Rosenberg von der Stadtbibliothek Nürnberg und Dr. Christine Sauer, die in der Stadtbibliothek Nürnberg die Abteilung Handschriften und Alte Drucke leitet, über das Thema informierten.

Marsch zur Erinnerung an den vor 15 Jahren gescheiterten Hitler-Putsch am 9. November 1938 durch München.

Gefürchteter Gauleiter war er und despotischer "Frankenführer", Herausgeber des obszönen Hetzblattes "Der Stürmer" und anscheinend - was nun wohl niemand vermutet hätte - auch noch ein Schöngeist: etwa 10.000 Bücher und Schriften, Erstausgaben literarischer Werke und wissenschaftliche Abhandlungen, vor allen Dingen meist Titel, die von den Nationalsozialisten bei Bücherverbrennungen konsequent vernichtet wurden, hat der berüchtigte Nazi-Ideologe und intime Hitler-Freund Julius Streicher während seiner "Amtszeit" zusammentragen lassen und in einer einzigartigen Bibliothek gehortet.

Die Sammlung, die sogenannte "Stürmer-Bibliothek", steht seit Kriegsende in der Nürnberger Stadtbibliothek und wird dort gesichtet, katalogisiert und daraufhin untersucht, ob sich heute noch ehemalige Besitzer oder deren Nachkommen der Bücher irgendwo auf der Welt finden lassen. Bernd Noack stellt in seinem Beitrag diese außergewöhnliche Bibliothek vor und geht den Fragen nach, was den Judenhasser Streicher bewegt haben mag, sich intensiv mit jüdischer Literatur und Religion zu beschäftigen.


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