Bayern 2 - Zeit für Bayern

Fachhochschule Amberg-Weiden Von der Kaiser-Wilhelm-Kaserne zum Think Tank

Die nordöstliche Oberpfalz ist eine Region, in der man nicht unbedingt einen Wissenschaftsstandort vermutet. Dabei kann seit 1995 an der Fachhochschule Amberg-Weiden studiert werden, und immer mehr junge Leute zieht es dorthin.

Autor: Thomas Kempe Stand: 25.03.2012
Die beiden Standorte der Hochschule Amberg-Weiden mit dem Logo der Hochschule | Bild: Hochschule Amberg-Weiden

1991 beschloss das bayerische Kabinett neue Fachhochschulstandorte für den Freistaat. "Weg aus den Ballungszentren - raus in die Provinz" lautete das Motto. Der Amberger Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer hatte sich damals für seine Stadt stark gemacht, und hatte Erfolg. Amberg und Weiden sind seit 1994 gemeinsam offiziell Hochschulstädte. Die ersten Studenten wurden 1995 begrüßt.

Mitten in der Stadt

In Amberg wurde das Gelände der früheren Kaiser-Wilhelm-Kaserne zum Campus der "Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Amberg-Weiden (HAW)" umgebaut. Ein großzügiges Areal mit Grünflächen, auf dem heute nichts mehr vom militärischen Ton vergangener Tage zu spüren ist. Ein großer Vorteil des Campus: Er liegt zentrumsnah, fast mitten in der Stadt. Auch in Weiden stehen die Hochschulgebäude ziemlich zentral im Ort. In Amberg und Weiden gilt: Die HAW ist fester Bestandteil des Stadtbildes und des Stadtlebens.

Motor für die ganze Region

Wolfgang Dandorfer ist immer noch Bürgermeister in Amberg und hat die Veränderung der Stadt und der Region durch und mit der Hochschule verfolgt. Er ist überzeugt, dass die Hochschule ein wichtiger Motor für die ganze Region ist und zwar in allen denkbaren Bereichen.

Toscana-Flair in der bayerischen "Provinz"

Ein Student der Fachhochschule Amberg-Weiden arbeitet an einem Elektro-Rennwagen.

Immer mehr junge Leute entscheiden sich bewusst für die nördliche Oberpfalz und nicht für München, Köln oder Berlin. Ein Studium in der "Provinz" bietet eben auch viele Vorteile. Rund 3.000 Studenten sind derzeit an der Hochschule in Amberg und Weiden eingeschrieben. Das heißt auch: 3.000 junge Menschen, die die Städte und das Lebensgefühl dort mit prägen. In Weiden macht sich im Sommer auf dem gemütlichen Stadtplatz sogar etwas "Toscana-Flair" breit, was die jungen Leute in den Vorlesungspausen zu schätzen wissen.

Die meisten Studierenden bleiben

Auch für die Wirtschaft der Region ist die Hochschule im deutsch-tschechischen Grenzgebiet ein echter Glücksfall. Von Weiden aus ist man mit dem Auto in einer guten Stunde in Pilsen. Die HAW pflegt enge Kontakte zu den großen und mittelständischen Unternehmen in der Region. Eine "Win-Win"-Situation. Die Absolventen bekommen Jobs und die Unternehmen gut ausgebildetes Fachpersonal. Die HAW trage ihren Teil dazu bei, dem Fachkräftemangel und der Abwanderung entgegenzuwirken, denn 80 Prozent der Studenten blieben in der Region, sagt Hochschulpräsident Professor Bauer. Offensichtlich ist nicht nur das Studieren in der "Provinz" attraktiv, sondern auch das Leben nach dem Studium.