Hühnchen, Gänschen, Entchen klein Hobby-Geflügelzucht als Leidenschaft und Gen-Pool
Wer ist um vier Uhr morgens bei klirrender Kälte zwischen Käfigen mit allerlei Federvieh zu finden? Hobby-Geflügelzüchter. Uns erzählen sie von ihrer Leidenschaft und den Zukunftsaussichten der Nachwuchszüchter.
Rassegeflügelzüchter sind Experten. Und ohne diese leidenschaftlichen Fachmänner und -frauen gäbe es einige seltene Geflügelrassen gar nicht mehr. Denn: Nicht nur Wildtiere sind gefährdet, sondern auch einheimisches Geflügel. Dem ständigen ökonomischen Optimierungsdruck mit gesteigerten Legezahlen und größerer Fleischmenge treten die vielen Hobbyzüchter in den Geflügelzucht-Vereinen entgegen. Sie sorgen dafür, dass selten gewordene Haustierrassen nicht gänzlich von den Höfen verschwinden und sind mit ihren Tieren ein wertvoller Gen-Pool für spätere Generationen.
Der Mensch und sein Federvieh
In Deutschland gibt es heute schätzungsweise 300.000 Hobbyzüchter, die Rassegeflügel halten. Aber was ist das? Rassegeflügel? Was unterscheidet das Rassehuhn von anderen Hühnern? Die Rassetaube von der ordinären Stadttaube? Schon Aristoteles berichtete in seinen Aufzeichnungen von Rassehühnern und auch in den Ställen und Volieren des alten Rom war rasseveredeltes Federvieh zuhause. Seit jeher umgibt sich der Mensch mit Geflügel, das er durch Zucht nach den eigenen Vorstellungen formt. Aber erst seit dem 19. Jahrhundert gibt es festgelegte Zuchtstandards.
"Mancher gibt sich viele Müh
Mit dem lieben Federvieh:
Einesteils der Eier wegen,
welche diese Vögel legen,
Zweitens, weil man dann und wann
Einen Braten essen kann;
Drittens aber nimmt man auch
Ihre Federn zum Gebrauch
In die Kissen und die Pfühle,
denn man liegt nicht gerne kühle."
Aus 'Max und Moritz' von Wilhelm Busch
Das Rasse- und das Wirtschaftsgeflügel
Über Zuchtregeln definiert sich das Rassegeflügel. Es ist losgelöst vom so genannten Wirtschaftsgeflügel zu betrachten, bei dem es hauptsächlich um Legeleistung und Fleischertrag geht. Auch der Wellensittich oder der Papagei zuhause sind kein Rassegeflügel. Schon dazu gehören: Tauben-, Hühner-, Enten-, Gänse- und einige ausgewählte Ziergeflügelrassen, die meist von Privatpersonen gehalten und gezüchtet werden.
Fünf Milliarden Euro Umsatz
Rassegeflügel, das bedeutet in erster Linie Vielfalt. Zum Beispiel bei Körperhaltung, Gefiederfarbe und Schnabelkrümmung. Je nach Ausprägung dieser Merkmale spricht der Fachmann von guten oder schlechten Tieren. Fachwissen eignen sich die Züchter durch das Lesen von Literatur und den Besuch von Züchterschulungen an. Dafür investieren sie viel Zeit und häufig auch eine ganze Menge Geld. Die Hobbygeflügelzucht ist ein durchaus ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Europaweit werden damit jährlich rund fünf Milliarden Euro umgesetzt.
"A guads Gschäft"
Zurück nach Bayern. Hier ist der Taubenmarkttag in Wasserburg am Inn ein ganz spezieller Feiertag für Hobbygeflügelzüchter. Noch vor Sonnenaufgang wird gefeilscht und lauthals schreiendes Geflügel wechselt den Besitzer. "A guads Gschäft" und gute Tiere für die Zucht erhoffen sich die Marktteilnehmer. Es geht um Schönheit, Qualität und auch ein bisschen um den Preis. Neben dem erhofften Zuchterfolg spielt dabei natürlich auch eine gewisse Sammelleidenschaft eine Rolle. Zeit für Bayern legt sich auf die Lauer bei Hühnchen, Gänschen, Entchen und deren Hegern und Pflegern.

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