Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Triumphzug in Franken Die Eisenbahnfahrt von König Ludwig II.

Bei der Unzahl der Bücher und Filme über Ludwig II. ist es verwunderlich, dass der spektakulärste Auftritt des 20-jährigen Monarchen noch nie eine eingehende Darstellung gefunden hat: Es ist die Eisenbahnfahrt des Königs im Hofzug durch ganz Franken.

Von: Hans Max von Aufsess

Stand: 12.06.2011 | Archiv

Salonwagen des Hofzugs von König Ludwig II. | Bild: picture-alliance/dpa

Im Jahr 1866, unmittelbar nach dem verlorenen Krieg gegen die Preußen, zog der junge König Ludwig II. mit dem Zug durch Franken. Die fränkischen Gebiete waren von den Kämpfen am ärgsten mitgenommen worden. Die Stimmung der Franken gegen die bayerische Zentrale in München hatte einen Tiefpunkt, der Groll über die mangelhafte Staats- und Heeresführung einen Höhepunkt erreicht. Doch die Erscheinung des schönen, ernsten Königsjünglings gewann die Herzen der von den Kriegsereignissen am meisten betroffenen Franken im Sturm zurück. Aus der Canossafahrt wurde ein einziger Triumphzug.

Wagner drohte mit Bruch der Freundschaft

Dabei hatte sich König Ludwig anfänglich noch hartnäckig geweigert, diese Zugfahrt durch Franken zu unternehmen. Erst als sein "einziger und göttlicher" Freund Richard Wagner - so nannte Ludwig diesen in seinen Briefen - ihm energisch zuriet und ihm drohte, die Freundschaft aufzukündigen, gab der König nach.

Prächtiger als alle anderen Hofzüge

König Ludwig II.

An dem nebligen Morgen des 10. November 1866 stand der pompöse Hofzug in München dann zur Abfahrt bereit. Die blinkende, emaillblaue Wagenschlange wartete am Ostbahnhof auf König Ludwig, dort, wo heute der Starnberger Bahnhof steht. Der Zug war schon allein für sich geeignet, patriotische, bayerische Hochgefühle zu erwecken. Kein amerikanischer, kein englischer, kein französischer und vor allem kein preußischer Hofzug - auch nicht der von Bismarck - konnte sich mit dem theaterhaften Effekt dieser bayerischen Eisenbahnschöpfung messen.

Wichtiger Staatsakt in Franken

Unter Auswertung authentischer Quellen verleiht der Zeit für Bayern-Autor Hans Max von Aufsess diesem für die Beziehungen Münchens zu Franken nicht unwichtigen Triumphzug lebendige Gegenwartsnähe.


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