Nazi-Verbrechen Der Liebe wegen hingerichtet
Es ist ein völlig vergessenes oder verdrängtes Kapitel nationalsozialistischer Verbrechen: Zwangsarbeiter werden in Niederbayern und der Oberpfalz hingerichtet - meist wegen verbotener Liebesbeziehungen zu deutschen Frauen.
Vor ein paar Jahren stieß BR-Autor Thomas Muggenthaler in einem Archiv auf Akten, die die Hinrichtung von 22 polnischen Zwangsarbeitern in Niederbayern und der Oberpfalz dokumentieren. Sie wurden 1941 bis 1943 in der Nähe des Arbeitsplatzes, an dem sie als "Ostarbeiter" eingesetzt waren, erhängt, weil sie "verbotenen Umgang" mit deutschen Frauen hatten. Der Autor konnte mit betroffenen Frauen und Kindern sprechen und auch Kontakt zu Angehörigen der ermordeten Zwangsarbeiter aufnehmen.
Manche Dörfer wollen erinnern, andere rühren das Thema nicht an
In den meisten Orten sind die Polen vergessen, die unter der Regie der Gestapo in Bayern hingerichtet wurden. In einigen Gemeinden jedoch wird jetzt, 60 Jahre danach, der Mantel des Schweigens gelüftet, dort wird man sich der Verbrechen bewußt, die in der eigenen Umgebung passiert sind. So soll in der Gemeinde Adlkofen bei Landshut noch in diesem Jahr ein Marterl aufgestellt werden für den polnischen Zwangsarbeiter Thomasz Wolak, der hier am 10. März 1942 hingerichtet wurde. Thomasz Wolak war Zwangsarbeiter auf dem Schloßgut im nahegelegenen Deutenkofen. Dort begann er eine Liebesbeziehung mit der Magd Rosa Kinateder. Als sie von ihm schwanger wurde, wurde das Paar verhaftet und Rosa Kinateder kam nach der Geburt ihrer Tochter in das KZ Ravensbrück. Thomasz Wolak wurde ein dreiviertel Jahr nach seiner Verhaftung hingerichtet.
Zachenberg erinnert an den ermordeteten Josef Trceziak
Adlkofen ist nicht der einzige Ort, der sich - 60 Jahre danach - den damals begangenen Verbrechen stellt. Auch in Zachenberg im niederbayerischen Landkreis Regen ist die Gemeinde aktiv. Sie will einen Gedenkstein aufstellen für Josef Trceziak. Er starb in einem Wald am 8. Mai 1942, hingerichtet, weil er eine deutsche Frau liebte und sie von ihm ein Kind erwartete. Die Tochter wurde am 9. Januar 1942 geboren, sie lebt heute in Nordrhein-Westfalen, möglichst weit weg von Niederbayern, wie sie sagt. Ihre damals 17-jährige Mutter wird ein halbes Jahr nach der Geburt in das KZ Ravensbrück eingewiesen und in das Jugendlager Uckermark geschickt. Erst nach zwei Jahren KZ-Haft darf sie im Juli 1944 wieder nach Hause zu ihrer Familie und ihrem Kind.
Verbrechen im Wald
Karl Schierer ist heute 82 Jahre alt. Ihm gehört der Wald, in dem der Gedenkstein für Josef Trcecziak aufgestellt wird, wo vor 60 Jahren der polnische Zwangsarbeiter hingerichtet wurde. Karl Schierer hat das Geschehen als 12 jähriger miterlebt.
"Da bin ich wirklich aus allen Socken gefallen, weil ich nicht gedacht habe, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus so nah vor der Haustür sind. Man denkt eben oft: Auschwitz, Birkenau, Buchenwald oder sonst was. Aber nein, direkt vor der Haustür! Diese Erkenntnis war ungeheuerlich."
Helmut Meier, Pfarrer in Ruhmannsfelden

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