Bayern 2 - Weitwinkel

Villnöss in Südtirol Ein Tal sucht seinen Weg

Herrlich gelegene Almhütten, kleine Familienpensionen, Wanderurlaub und behutsame Entwicklung - typisch für das Villnösstal in Südtirol. Doch die meisten Touristen kommen im Sommer, die Wintergäste zieht es in die Nebentäler.

Stand: 22.01.2013

Gäste, die Ruhe und Ausstrahlung suchen sind hier richtig, denn die Bauern im Villnösstal haben seit jeher eine nachhaltige Landwirtschaft betrieben, sich bewusst für Klasse entschieden und nicht für Masse. Seit 2009 ist das Tal Weltnaturerbe der UNESCO und bietet alles,vom Mittelgebirge bis zur hochalpinen Blumen- und Tierwelt, Klettermöglichkeiten und ein Hochplateau als Wandergebiet für jede Altersgruppe.

Sattgrüne Weiden

Almen im Villnösstal

Das nur 25 Kilometer lange Villnösstal zweigt bei Klausen ostwärts vom Eisacktal ab. Hier gibt es keinen Hotelkomplex, keinen Durchgangsverkehr, aber auch keine Seilbahn und kein Hallenbad, so wie im benachbarten Grödnertal. Ein klassisches Sommerurlaubsziel, im Winter kommen nur Tagestouristen zum Winterwandern und Rodeln. Ob das auch so bleiben soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.

"Für mich ist völlig klar, dass wir unser Tal nicht mit Liften und Straßen zubauen dürfen, wir müssen es aufgrund der Schönheit so belassen. Es gibt keine andere Chance, auch wenn man nur von der Liebe zur Natur allein nicht leben kann."

(Sepp Fischnaller vom Zinsallerhof )

Ein zweites Standbein

St. Magdalena vor der Geisler-Spitze

Der Bau einer Seilbahn ist umstritten, denn damit würde das Villnösstal mit der Seller Runde verbunden, dem größten Skigebiet Italiens. Der Wintertourismus würde zwar angekurbelt, doch ob das Tal tatsächlich wirtschaftlich von noch mehr Tagestouristen profitieren würde, ist unklar. Außerdem passt so eine Bahn nicht in das nachhaltige Entwicklungskonzept und zur Naturpark-Politik der Gemeinde.

"Wir brauchen eine Bahn und eine Piste, mehr nicht. Aber nichts, das geht nicht. Wir haben alles da, Rodelpiste, Winterwandern, doch man füllt die Betten nicht damit. Wir haben das jetzt zwanzig Jahre probiert, doch die Mehrzahl kann davon nicht leben."

(Johann Pramsohler, Obmann der Energiegenossenschaft Villnösstal)

Innovative Ideen

Nachhaltige Landwirtschaft

Viele Bewohner meinen, anstelle von noch mehr Tourismus brauche das Villnösstal vor allem junge Menschen, die Tradition und Moderne verbinden. So wie zum Beispiel der gelernte Koch und Restaurantbesitzer Oskar Messner, der gemeinsam mit einem Berufskollegen und dem Dorfladenbesitzer vor vier Jahren begonnen hat, neue Wurst- und Fleischprodukte aus dem Villnösser Brillenschaf zu entwickeln. Das Fleisch liefern rund fünzig Nebenerwerbsbauern, die wieder angefangen haben, Schafe zu halten und damit eine alte Tradition zum Leben erwecken.

"Wir haben die beste Qualität vor der Haustür und müssen sie auch nutzen. Das Villnösser Brillenschaf wurde immer für die Wolle gezüchtet, aber dafür kriegt man heute kein Geld mehr, weil der Arbeitsaufwand zu hoch ist. Doch weil die Tiere das ganze Jahr draussen sind, ist das Fleisch erste Klasse."

(Oskar Messner, Koch St. Peter)


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