Bayern 2 - Weitwinkel

Zum Gruseln schön Die Perchten sind los

Schönperchten oder Schiachperchten, Holzmandl oder Klaubauf, sie alle tanzen zur Musik der Teufelsgeige in den Rauhnächten, um das Licht wieder aufzuwecken. Und was tun sie sonst? Ein Besuch beim Perschtenbund Soj in Kirchseeon

Stand: 24.01.2012

Die Rauhnächte - dunkelste Zeit des Jahres

Wenn das Jahr am dunkelsten ist, in den Rauhnächten, zwischen Weihnachten und Dreikönig, tanzen an vielen Orten Bayerns die Perchten: furchteinflössende Gestalten mit zotteligen Kostümen aus Wolle, Fell, Leder oder Stoff und grauenerregenden Holzmasken. Einige haben Gürtel mit Kuhglocken umgehängt und einen Haselnußstab in der Hand.

Der Perschtenbund Soj in Kirchseeon

In Kirchseeon laufen die Perchten vom "Perschtenbund Soj" aber nicht nur in den zwölf Rauhnächten, sondern bereits ab dem ersten Advent, sonst würden sie in ihrer Gemeinde mit knapp zehntausend Einwohnern und den sieben Ortsteilen nicht herum kommen. Der Begriff Rauhnacht kommt vermutlich vom althochdeutschen ROUH, was wild, haarig, mit Fell bekleidet bedeutet. Eine andere Erklärung bezieht sich auf den christlichen Brauch, die Häuser mit Weihrauch auszuräuchern, um böse Geister zu vertreiben. Eine Aufgabe, die bei den Perchten die Schiachmasken übernehmen.

Böse Geister vertreiben

Zum Gruseln schön - Perchten in Kirchseeon

Um die bösen Geister zu vertreiben tanzen die Schiachmasken eine Art Beschwörungstanz, sie legen ein Pentagramm vor das Haus, um die "Drud" zu vertreiben. Die "Drud", das ist eine Hexe, von der man früher sagte, sie sitze dem Bauern auf der Brust oder erdrücke das Vieh, wenn plötzlich eine Kuh im Stall gestorben war. Durch den Beschwörungstanz soll die "Drud" für das gesamte kommende Jahr von Haus und Hof vertrieben werden.

"Hex, Hex, Hulle, Dru Dru Drulle, Dean ma d’ Stecka über’s Kreuz, mit da Luzi und an Veits. Wern ma’s nah an d’Schwelln hinlegn, Bäuerin muaß uns Krapfa gebn. Drud is übern First davo, hot a rupfert Hosen o, voller Z’riss und voller G’schiß, sogt’s es wia’s is. Jo wie is denn? Hassat, neidi, oid und koit, hinkert, g’stingert, ungestalt"

Beschwörungslied der Perchten, um die böse Drud aus den Häusern zu vertreiben

Handgemachte Masken statt Gothic-Fertigware aus dem Kaufhaus

Bewusst grenzen sich die Kirchseeoner Perschten von anderen, speziell einigen österreichischen, Perchtengruppen ab. Deren Masken stammen angeblich aus einem Kaufhaus, ihre Internetpräsentationen erinnern eher an die Gothic-Szene und zeigen überwiegend Teufels- und Horrormasken. Damit will der PERSCHTENBUND SOJ nichts zu tun haben.

"Mia sogn, mia möchten nur Glück und Segen an die Häuser bringen und net an Horror an die Häuser tragen, unser Verein soll mit Freude angschaut werden unterm Laufen, des is der Hauptgrund, weshalb auch unsere Masken lieblicher san, gegenüber anderen Masken"

Herbert Schafbauer, Maskenschnitzer beim Perschtenbund Soj in Kirchseeon

Je nach Region und Tradition haben sich die Perchten sehr unterschiedlich entwickelt, kommen in den verschiedensten Kostümen daher und haben Namen wie: Tresterer, Buttenmandl, Haberer, Klopfersleut, Rauhwuggl oder Wolferer, um nur einige zu nennen. Manche dieser Gruppen haben eine lange Tradition und Läufe die durchaus sehenswert sind. Aber die Individualität und außergewöhnlich phantasievolle Gestaltung der Masken, hat die Kirchseeoner Perschten weit über ihren Heimatort hinaus berühmt gemacht. Doch nicht nur die Phantasie ist beim Schnitzen der Perchtenmasken gefragt, wichtig sind vor allem eine Reihe anderer Faktoren. Maskenschnitzer Herbert Schafbauer ist früher selbst als Läufer unterwegs gewesen und weiß, worauf es ankommt, zum Beispiel darf die Maske vorne nicht schwerer sein als hinten, weil die Läufer sonst in den 5 Stunden, die ein Lauf dauert, Nackenstarre bekommen würden.

Und was macht der Perschtenbund Soj, wenn die Zeit der Perchtenläufe vorbei ist?

1954 wurde der Kirchseeoner Verein Perschtenbund Soj ins Leben gerufen. Als Vereinssitz wurde die historische Badstube aus dem Jahr 1684 aus dem nahen Ramerberg, wo sie zu verfallen drohte, abgetragen und in Eglharting wieder aufgebaut. Trotz Eigeninitiative kostet das natürlich Geld, und so kam man auf die Idee, den Perchtenlauf, eine uralte Tradition, wieder aufleben zu lassen. Und überall dort, wo die Perchten laufen, sammeln sie Geld ein. Ausserdem hatte der Perschtenbund Soj noch viele andere Ideen, um die Vereinskasse aufzubessern. Auf die häufige Frage hin, ob man die Masken auch kaufen könne, kam man auf die Idee, Miniaturmasken anzufertigen. Die sind zwar nicht geschnitzt sondern gegossen, aber von Herbert Schafbauer handbemalt. Vierundzwanzig verschiedene gibt es inzwischen zu kaufen. Außerdem wurden im Lauf der Jahre Theaterstücke aufgeführt, 1992 die Perschtenstiftung gegründet und mehrere Ausstellungen gemacht oder beschickt. Besonders gelungen sind die vier aufwändig gestalteten Bücher zum Thema Perchten und Rauhnächte, die der Perschtenbund Soj herausgegeben hat.

Die Perchten

Frau Percht

Frau Percht | Bild: BR / Robert Müller

Janusköpfig kommt Frau Percht daher: Die zentrale Figur der Perchtenläufe ist vorne Sonne und hinten Teufel (in manchen Regionen auch andersherum). Manche deuten sie als Personifikation der nordischen Göttin Frigg (Gattin des Odin und Patronin Ehe ) oder der germanischen Göttin Freya (Göttin der Fruchtbarkeit), doch ist der Ursprung der Figur umstritten.

Teufel

Perchten-Teufel | Bild: BR/Robert Müller

Zentrales Motiv ist die Dualität von Tag und Nacht, Gut und Böse, Leben und Sterben. Diese Dualität wird symbolisiert durch Frau Percht und gemeinsdam auftretende, gegensätzliche Charaktere. Der Teufel ist der "schiachste" Percht. Er treibt Mädchen in die Arme der Schönperchten.

Schönpercht

Schönpercht | Bild: BR / Robert Müller

Schönperchten stehen zumeist für das Leben, das Licht und die Ordnung. Oft begleiten sie die Musikperchten und machen nicht weniger Lärm als diese. Sie versinnbildlichen auch den Frühling, die Fruchtbarkeit und die Wärme.

Musiker

Musiker-Percht | Bild: BR / Robert Müller

Mit Trommeln, Kuhglocken und Blasinstrumenten sollen, so sagt's jedenfalls der Brauch, böse Geister und der Winter ausgetrieben werden. Im Aussehen unterscheiden sich die Perchten sehr, doch alle haben eine Glocke.

Tänzer

Tanzende Perchten | Bild: BR / Robert Müller

Mit dem Tanz sollen das Böse ausgetrieben und das Gute gebunden werden. Die Tänzer hüpfen, wirbeln und fegen durch die Straßen. Im Zentrum ihres Tanzkreises steht meist Frau Percht.

Schlenzer

Schlenzer Percht | Bild: BR / Robert Müller

"Schlenzer" und Schnabelperchten sind eng verwandt. Die "Schlenzer" erschrecken und ärgern Zuschauer, sammeln Geld oder versuchen, Gegenstände zu stibitzen.