Bayern 2 - Weitwinkel

KZ Hersbruck - Heute Schüler machen Erinnerungsarbeit

Wo heute das Finanzamt steht, war bis vor kurzem die ehemalige Kommandatur des KZ-Aussenlagers - gern verdrängte Vergangenheit. Heute begeben sich Schüler auf Spurensuche und dokumentieren die Erinnerungen von Überlebenden.

Stand: 12.11.2011

Vernichtung durch Arbeit

Hersbruck war das zweitgrößte Aussenlager des KZ Flossenbürg. Im August 1944 gründete die SS dieses Lager, um im nahen Happurg eine unterirdische Rüstungsproduktion aus dem Boden zu stampfen. Dort verrichteten Häftlinge mörderische Arbeit: rund vier Kilometer Stollen wurden mit Hilfe Tausender KZ Häftlinge in den Berg getrieben, dabei war Vernichtung durch Arbeit Programm. Täglich gab es Tote, Menschen, die vor Erschöpfung starben. Von den knapp 10 000 Häftlingen, die insgesamt in Hersbruck interniert waren, sind 4000 Häftlinge gestorben. Fast jeder Zweite hat die KZ-Zeit also nicht überlebt.

"Gestorben sind hier viele, das war schwere Arbeit und nicht jeder konnte das aushalten. Gearbeitet wurde bis vier Uhr und um vier Uhr hieß es: Leichenträger antreten"

Shlomo Lavi aus Israel angereist zum Treffen ehemaliger Häftlinge in Flossenbürg

Eine gigantische Stollenanlage

Eingang zu den unterirdischen Stollen

Geplant war eine gigantische Stollenanlage, der sogenannte Doggerstollen, zur Produktion von BMW Flugzeugmotoren, ausserdem waren auch Produktionsräume für die Firma Osram reserviert. Aber der Bau schritt nicht so zügig voran wie geplant, statt der geplanten 20 Kilometer unterirdischer Stollengänge wurden bis Kriegsende nur 4 Kilometer fertiggestellt.

"Es war eins der gigantischen Bauprojekte der Nazis. Das war eine mörderische Arbeit, die Tausende von Häftlingen das Leben gekostet hat."

Ulrich Fritz, Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Schüler als Geschichten-Sammler

Schüler des Paul-Pfinzing-Gymnasiums

19 Schüler des örtlichen Paul-Pfinzing-Gymnasiums sind dabei, sich die Geschichte des Lagers zu erarbeiten. Ellf Radiobeiträge wollen sie erarbeiten, die später als Audioguides vor Ort eingesetzt werden können, um dieses dunkle Kapitel Stadtgeschichte ins Gedächtnis zu rufen. Unterstützt werden sie bei ihrem Projekt von der Stiftung Zuhören, vom Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung. Ziel ist es, den Spuren des Nationalsozialismus direkt vor der eigenen Haustüre zu folgen, um diese Zeit zu verstehen. Die Audioguides von Jugendlichen für Jugendliche, die jetzt entstehen, sollen später auch im Internet für jeden zugänglich sein

Was wissen die Hersbrucker?

Die Schüler haben sich verschiedene Themen gestellt, ein Projekt fragt nach, was die Bewohner von Hersbruck mitbekommen haben vom Lager. Die Antworten sind ganz unterschiedlich, manche erinnern sich an gar nichts, andere wiederum ganz genau.

"Da war ein Lastwagen an der Tankstelle gestanden und hat Benzin getankt und die Frau, die das gemacht hat, sagte zu meiner Mutter: Käthe schau mal her, das sind lauter Tote auf dem Lastwagen, die da draußen umgekommen sind und die werden jetzt nach Nürnberg gefahren und verbrennt. Und da hob meine Mutter die Plane auf und hat nei gschaut und i hab als Kind... und nicht einmal zugedeckt waren die.das war also grauslich."

Bewohner aus Hersbruck

Erinnerungen der Hersbrucker

Schüler führen Gespräche mit Zeitzeugen

Für ihre Audioguides befragen die Schüler auch Zeitzeugen in Hersbruck. Viele erzählen gerne: Dieter Rosenbauer hat als Kind vom Forsthaus seines Vaters aus das Lager oft mit einem Fernglas beobachtet.

"Es war ja Winter, da waren die stundenlang da unten gestanden, ich hab die beobachtet, und dann ist aus diesen Blocks plötzlich wieder einer umgefallen, das war für uns Buben unbegreiflich."

Dieter Rosenbauer

Irmingard Philipow hat selbst am Hersbrucker Gymnasium Abitur gemacht und freut sich über das Engagement von Hersbrucker Jugendlichen. Das KZ in Hersbruck war jahrzehntelang ein Tabu, sagt sie. Deshalb ist sie froh, dass die 15-17 jährigen diese Erinnerungen sammen und weitertragen in die Zukunft.

Kontakt zum KZ: