"Sakralbauten von morgen - entworfen für die Mitte Berlins" ...
Trialogisches Lernen Alle unter einem Dach
Im Nahen Osten brennen Botschaften. Mitten in Berlin wird ein Rabbiner zusammen geschlagen. Und christliche Fundamentalisten wie der US-Prediger Terry Jones gießen zusätzlich Öl ins Feuer. Keine guten Zeiten für den Interreligiösen Dialog?
Dass die großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam auf den gleichen Wurzeln gründen, ist vielen bewusst. Dennoch gestaltet sich ein Dialog auch im 21. Jahrhundert oft schwierig. Theo.Logik besucht Orte, an denen Christen, Juden und Muslime unter dem Stichwort "Trialogisches Lernen" die gemeinsamen Wurzeln ihrer Religionen vermitteln wollen.
Geplantes Lehrhaus der Religionen in München
In München haben sich etwa ein Dutzend Ehrenamtliche zusammengefunden mit einem Ziel: Ihnen schwebt ein Lehrhaus der Religionen vor, in dem Christen, Juden und Muslime gemeinsam lernen, miteinander ins Gespräch kommen, diskutieren und auch Freundschaften schließen. Ein Gebäude gibt es dafür zwar noch nicht, aber viele Ideen: So planen die ehrenamtlich Engagierten beispielsweiese ein Café, einen Lesesaal und Kursräume, in denen sich Interessierte über Christentum, Judentum und Islam informieren können. Ziel sei es, dass sowohl auf Seiten der Verantwortlichen für das Lehrhaus als auch bei den Referenten die drei monotheistischen Religionen genau gleichberechtigt vertreten sind.
"Wie das Lehrhaus der Religionen finanziert werden soll? Mit Gottes Hilfe und hoffentlich mit Hilfe von verschiedenen Kulturfonds, die existieren und solche Projekte unterstützen. Wir warten sehnsüchtig auf die Genehmigung für unseren Verein und wir suchen Räume. Sobald wir die Vereinsgenehmigung haben, können wir viel mehr machen. Aber Bürokratie ist Bürokratie, wir müssen geduldig sein!"
Rabbiner Steven Langnas aus München
Zu viel oder zu wenig Aufeinander-Zugehen?
Eine Mischung aus Synagoge, Moschee und Kirche - das ist ein bislang einmaliges Bauvorhaben. Der Berliner Architekt Wilfried Kuehn ist der Meinung, Dialog könne dann am besten funktionieren, wenn auch die Freiheit des Einzelnen garantiert und Abgrenzung möglich ist." Der Entwurf seines Architekturbüros sieht für das Bethaus drei unterschiedliche Räume vor. Was den einen zu weit geht, halten andere für zu wenig: Hätte man sich nicht noch mutiger für nur einen Sakralraum entscheiden können? Wie soll in drei abgegrenzten Räumen trialogisches Lernen möglich sein? Im Dazwischen, sagt Architekt Kuehn. Unter einem Dach entstünde zwischen den Religionen quasi automatisch etwas Viertes, verbindende Räume, Leerstellen, in denen Austausch stattfinden kann. Ungewiss ist allerdings noch, wann der Bau beginnen soll und wie er finanziert wird. Dann gilt es, das Bet- und Lehrhaus mit Leben zu füllen. Leerstehende Gotteshäuser gibt es in der Hauptstadt schließlich genug.

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