Zwischen Hochhäusern und S-Bahntrasse: Wagenburg Stadtpark Olga
"Leben wagen - Wagen leben" - so lautet das Motto der Münchner Wagenburg-Bewohner. Sie wollen der Welt einen alternativen Lebens- und Wohnstil vorführen.
Weniger ist mehr Vom Zurücklassen und sich Einschränken
Hast Du was, bist Du was – ein Spruch der viel aussagt, über unsere Beziehung zu den Dingen. Wer viel hat, gilt als erfolgreich. Aber brauchen wir wirklich ein solches Sammelsurium an Dingen? Theo.Logik dreht den Spieß um: Weniger ist mehr.
Von klein auf lernen wir, immer mehr zu wollen: mehr Spielzeug, später dann Klamotten, Handys, einen zweiten Fernseher, Computer, Autos und für die Familie eine Eigentumswohnung oder ein Haus. Nach oben kennt unser Streben nach mehr Besitz keine Grenze: ein Privatjet, eine Yacht, ein eigener Fußballverein oder eine Privatinsel einzig die Kaufkraft bestimmt, wann Schluss ist mit dem Mehr Wollen. Unser Selbstwertgefühl ist an den Wert unseres Besitzes gekoppelt.
Was kostet die Welt?
Die Dinge, mit denen wir uns umgeben, sind auf jeden Fall Teil unserer Identität. Erfahrungen und Erinnerungen sind damit verknüpft. Wie fühlt es sich also an, wenn man sich plötzlich einschränken, auf Dinge verzichten und sie zurücklassen muss? Zum Beispiel auf dem Weg ins Altenheim? Woran hängt das Herz?
In Theo-Logik berichten drei Seniorinnen davon, wie schwer ihnen das Loslassen fiel, dass dadurch aber ihr Blick frei wurde, für das, was am Ende wirklich bleibt. Was nimmt man mit, wenn man für den nächsten Lebensabschnitt nur einen Koffer packen kann? Das musste sich auch ein evangelisches Pfarrerehepaar fragen, das eine Stelle im Kongo angenommen hat.
Bist du, was du hast? Meine sieben Sachen
Der griechische Philosoph Diogenes lebte bereits vor, dass es auch mit wenig Besitz geht. Angeblich wohnte er im Stadtzentrum von Korinth in einem Fass und besaß nichts außer seiner Kleidung und einem Holzbecher. In Theo.Logik kommen Menschen zu Wort, die ganz bewusst einen Lebensstil gewählt haben, bei dem man sich einschränken muss. Ein Franziskaner und eine Karmelitin schildern, was sie an der Klosterpforte zurückgelassen haben und warum Verzicht bereichern kann.
Weniger ist mehr – das sagen auch die Bewohner einer Münchner Wagenburg. Zwischen Hochhäusern und S-Bahntrasse leben sie in einer bunten Ansammlung von Zirkuswagen, ausgebauten Lkws, alten Bauwagen. Warum kündigen Menschen freiwillig ihre Mietwohnung und ziehen in einen Bauwagen? Und wie lebt man mit Sack und Pack auf zehn Quadratmetern? "Auf jeden Fall überlegt man zweimal, was man kauft", sagen die Bewohner der Wagenburg "Stadtpark Olga" in München Giesing. Denn wer seine gesamte Habe auf wenige Kubikmeter Stauraum verteilen muss und sich einen Wassertank mit anderen teilt, lebt bewusster und nachhaltiger.
In unserer Reihe "Was glaubt Bayern?" geht es um Schamanismus. Und was sein letzter Gedanke vor dem Einschlafen ist, das verrät diese Woche in Theo.Logik der Leuchtturmwärter von Kap Horn.
Die Beiträge der Sendung:
- Von Solln in den Kongo mit eineinhalb Kubik: Ein Pfarr-Ehepaar wagt den Neubeginn (Carola Zinner)
- Was vom Leben übrig bleibt. Auf dem Weg ins Altenheim (Rita Homfeldt)
- Lebe hinfort ohne Besitz! Abschied an der Klosterpforte (Elisabeth Tyroller )
- Mich kriegen die Kapitalisten nicht! Die Leute von der Wagenburg (Friederike Weede)
- Was glaubt Bayern? Schamanismus ( Geseko von Lüpke)
Moderation: Matthias Morgenroth

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