Ein Konzil mit Seele 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil
Dass in der katholischen Kirche heute Vieles moderner gehandhabt wird als bis in die 1950er-Jahre, ist dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu verdanken. Viele katholische Theologen feiern es euphorisch.
Eine Christusstatue, die an einem Helikopter baumelnd über die Dächer des modernen Roms schwebt. So fasste der italienische Regisseur Federico Fellini in seinem Film "La dolce vita" das in Bilder, was um 1960 nicht nur in Italien, sondern weltweit viele Katholiken empfanden: einen schier unüberwindbaren Gegensatz zwischen katholischem Dogma und der sich immer rasanter modernisierenden Welt. Ein Gegensatz, den auch der italienische Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli spürte, der 1958 als Johannes XXIII. die Nachfolge Petri antrat. Schon kurz darauf kündigte er an, ein großes Konzil für die Weltkirche einberufen zu wollen. Aggiornamento, Erneuerung lautete das Ziel.
Schritt in die Moderne
Und tatsächlich: Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil, das am 11. Oktober 1962 begann, wagte die katholische Kirche vor 50 Jahren endlich den Schritt in die Moderne. Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx erinnert sich noch genau daran, obwohl er damals erst neun Jahre alt war. Während seines Kommunionsunterrichts wurden bedruckte Zettel mit den Namen der Konzilsväter und Gebeten für ein gutes Gelingen der Kirchenversammlung verteilt, erzählt er: "Das war einfach so ein Schwung, den wir gespürt haben, schon als Kinder. Die Bereitschaft, sich nicht einzumauern als Kirche, sondern auf die Welt zuzugehen, das war eine grundsätzlich zuversichtliche Haltung." Kritiker behaupten heute, die Konzilstexte seien unscharf, das rühre von der Verpflichtung der Konzilsväter zu größtmöglicher Einigkeit. Kardinal Reinhard Marx hält die Texte dagegen nicht für schwammig.
"Sie sind angelegt darauf, weiter mit ihnen zu arbeiten. Sie sind nicht einfach ein Endpunkt, aber sind ein Impuls, weiter darüber nachzudenken. Die Spannung zwischen beharrenden Kräften und solchen, die noch weiter gehen wollen, das bleibt immer in der Kirche, das wird man nie ganz aufheben."
Kardinal Reinhard Marx
Wird das Religiös-Kirchliche verdrängt?
Für Ernüchterung hat gesorgt, dass trotz der Reformbestrebungen und der Öffnung der Kirche zur Welt gerade in den westlichen Ländern, vor allem in Europa, der Säkularismus gewachsen ist und das Religiös-Kirchliche zu verdrängen droht. Diese gesellschaftliche Veränderung hat das Konzil weder vorhersehen können, noch ist die Kirchenversammlung für die eingetretene gesellschaftliche Entwicklung ursächlich verantwortlich, findet Kardinal Reinhard Marx. Vielmehr sollten die Menschen neu von Gott sprechen, so wie es das II. Vatikanische Konzil angestrebt hat, nicht in stereotypen Formeln, sondern persönlich, staunend, demütig, zweifelnd, suchend, zurückhaltend - das ist es vielleicht, was heutzutage im organisierten Kirchenbetrieb zu kurz kommt.
Die Themen im Einzelnen
- Vom Entwurf zum Dekret - So war der Ablauf des Konzils (Burkhard Schäfers)
- Zwischen Erneuerung und Starre - Das waren die Akteure des Konzils (Barbara Weiß)
- Mit wachem Blick? Das Konzil und das Jahr des Glaubens. Ein Treffen mit Kardinal Reinhard Marx (Wolfgang Küpper)
- Neuer Glanz für den Glauben? – Bedeutung und Wirkung des Konzils (Clemens Finzer)
- Interview: Was bringen die nächsten 50 Jahre? Theo.Logik-Moderatorin Karin Wendlinger im Gespräch mit Johannes Röser, Chefredakteur von "Christ in der Gegenwart
- Was glaubt Bayern? "M" wie Methodisten (Elisabeth Tyroller)

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