Bayern 2 - Tagesgespräch


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Privatwirtschaft oder öffentlicher Dienst Wer ist der attraktivere Arbeitgeber?

Die Privatwirtschaft wirbt mit Karrieremöglichkeiten, der öffentliche Dienst lockt mit Sicherheit. Wer ist der attraktivere Arbeitgeber? Das fragte das Tagesgespräch.

Stand: 20.04.2017

Im Jahr 2030 fehlen auf dem deutschen Arbeitsmarkt voraussichtlich sechs Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter, wie der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer kürzlich schätzte. Auch der Beamtenbund beklagt bestehende Personallücken und füchtet, dass sich diese in Zukunft verschärfen könnten. So sei der jetzige Personalstand allein in der Steuerverwaltung bedenklich niedrig, sagte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Klaus Dauderstädt. "Hier fehlen rund 20 Prozent Personal, um den laufenden Steuervollzug seriös und nachhaltig umzusetzen." Jährlich würden dem Staatshaushalt mindestens 50 Milliarden Euro Einnahmen verloren gehen - etwa 30 Milliarden im Bereich der Einkommen- und rund 20 Milliarden bei der Umsatzsteuer.

Zahlen rund um den öffentlichen Dienst

Dem Statistische Bundesamt zufolge gab es Mitte 2015 noch 4,1 Millionen Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst, darunter 468.000 beim Bund, 2,1 Millionen bei den Ländern, 1,2 Millionen bei den Kommunen und 327.000 bei der Sozialversicherung. In den Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen sind in den 90er Jahren massiv Stellen abgebaut worden. Von 1991 bis 2010 sank die Zahl der Staatsbediensteten nach Angaben der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung um 1,6 Millionen - was über 30 Prozent entsprach. Knapp die Hälfte davon begründete sich allerdings durch Privatisierungen - etwa bei Bahn und Post oder den Krankenhäusern. Bereinigt um diesen Faktor ergab sich aber immer noch ein Rückgang um 18 Prozent. 816.000 Stellen im öffentlichen Dienst werden im Jahr 2030 wegen fehlender Fachkräfte unbesetzt bleiben, wie es in einer Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PWC) heißt. Betroffen sein werden demnach Lehrer, Verwaltungsangestellte, IT-Spezialisten, Ingenieure und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich.

Was tun gegen Fachkräftemangel?

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Auf der Suche nach Fachkräften sollten Unternehmen nach einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) umsteuern und ihre Stellen verstärkt überregional ausschreiben. Das IW empfiehlt zudem, neues Personal bei der Wohnungssuche und bei der Integration in den Alltag zu unterstützen und Mentoren bereitzustellen, die Neueinsteiger aus anderen Regionen begleiten. Auch sollten die Betriebe über Wege nachdenken, junge Leute und Arbeitslose zu mehr Mobilität zu bewegen - etwa durch Wohnangebote für Lehrlinge am Ausbildungsort. Auch bei der Weiterqualifizierung könnten die Betriebe stärker selbst aktiv werden und so die Fachkräftesicherung für den eigenen Bedarf vorantreiben.

Rufen Sie an und diskutieren Sie mit!

Was meinen Sie? Privatwirtschaft oder öffentlicher Dienst - wer ist der attraktivere Arbeitgeber? Das fragte das Tagesgespräch. Zu Gast bei Moderator Wolfgang Küpper war Prof. Dr. Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte an der Fachhochschule Koblenz.

Die Nummer ins Studio: 0800 / 94 95 95 5

Eine Frau telefoniert | Bild: colourbox.com

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Ewald Hardtner, Donnerstag, 20.April, 13:47 Uhr

21. @ElliKilli

Sehr geehrte Frau Killi,

dass Sie nach 44 Jahren Lehrerdasein sich dermaßen benachteiligt fühlen, erschließt sich mir nicht, es sei denn, ich ziehe die bei Lehrern häufig zu beobachtende Tendenz zum allgemeinen Jammern in Betracht.

Martin , Donnerstag, 20.April, 13:41 Uhr

20. Erwerbstätigkeit

Das ist Lohnabhängigkeit, das ist letztlich immer eine Form von Sklaverei.

Konrad Meier, Donnerstag, 20.April, 13:36 Uhr

19. Fragen zur Statistik Beamte, Angestellte 1991 und 2016 im Vergleich

In der Sendung hatten Sie Beamte und Angestellte zusammengefasst. Außerdem hatten Sie kirchliche Einrichtungen (größte Arbeitgeber Deutschlands), Körperschaften öffentlichen Rechts (Sendeanstalten, Sparkassen, etc.) außen vor gelassen. Wieviele Personen, welche EK-Summen (alle Beamte, alle Angestellte) und welche Renten / Pensionen?

Interessant sind die Vergleiche von allen, die 1991 / 2016 unter Beamtenrecht arbeiteten und davon unterschieden alle, die 1991 / 2016 unter Angestelltenrecht in der öffentlichen Sphäre, (Arbeitsbedingungen bei Kirchen z. B. ähnlich, auch bei GmbHs wie Wasser- und Elektrizitätswerken.

Alle Outsourcing-Tätigkeiten, inkl. der Billiglohn- und der McKinsey- oder Linklaters-Institutionen, haben stark zugenommen, da wären dann weniger die Zahlen der Personen als die Werte, die dorthin flossen, interessant 1991 / 2016.

Nutzen: man erkennt, wo und wie Staat effizienter wurde.

Liszt, Donnerstag, 20.April, 13:34 Uhr

18. Attraktiv?

Attraktiv ist nur das, was man mit dem verdienten Geld anfangen kann. Kurzum: Wer als Arbeitgeber attraktiv sein will, sollte attraktive Gehälter bezahlen.

Manfred Stein, Donnerstag, 20.April, 13:30 Uhr

17. Lehrer

Lehrer haben es gut: Die 13 Wochen Urlaub, die vielen freien Nachmittage, das üppige Gehalt, die Bematenprivilegien - ich verstehe nicht, was es da noch zu jammern gibt.