Bayern 2 - Tagesgespräch

Ziemlich beste Freunde Wie gehen Sie mit Menschen mit Behinderung um?

Gelingt jedem ein unverkrampfter Umgang wie zwischen dem jungen Driss und dem Querschnittgelähmten Philippe in der französischen Komödie "Ziemlich beste Freunde"? In welchen Situationen des Alltags reden Behinderte und Nichtbehinderte aneinander vorbei? Diskutieren Sie mit im Tagesgespräch!

Stand: 27.01.2012
Szene aus dem Film "Ziemlich beste Freunde" | Bild: picture-alliance/dpa

Sind Rollstuhlfahrer zu bemitleiden, weil sie an den Rollstuhl "gefesselt" sind? Darf man zu einem Blinden "Auf Wiedersehen" sagen? Und kann man einen Gehörlosen fragen: Hast du das schon gehört...?

Wo gibt es nach wie vor Unsicherheiten, wenn Menschen mit und ohne Behinderung miteinander zu tun haben? Wie sieht der Umgang aus? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, hat das Tagesgespräch gefragt.

Zu Gast im Studio bei Moderator Achim Bogdahn war Holger Kiesel, Journalist beim Bayerischen Rundfunk und Rollstuhlfahrer. Er sagt: "Oft fehlt die Unbekümmertheit. Viele Menschen versuchen viel zu sehr, das Thema intellektuell zu fassen. Man sollte mehr seinem Gefühl vertrauen, dann täten sich beide Seiten leichter."

Eine Ursache für diese Unsicherheit sei, dass schon Kindern der Umgang mit Menschen in Behinderung fehle, zum Beispiel in gemeinsamen Schulklassen, sind mehrere Anruferinnen und Anrufer überzeugt.

"Das Leben ist auch mit Behinderung schön", betonen andere - und verweisen auch auf den aktuellen Kinofilm "Ziemlich gute Freunde": Darin werde deutlich, nicht Mitleid sei gefragt, sondern allenfalls Mitgefühl.

Anrufertelefon 0800 / 94 95 95 5

Telefon | Bild: Stockbyte

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Diskutieren Sie mit unserem kompetenten Studiogast über ein aktuelles Thema. Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion und Sport - im Tagesgespräch debattieren wir über alle gesellschaftlich wichtigen Fragen. 

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Ingeborg Lohse, Freitag, 27.Januar, 15:04 Uhr

6. Anspruch auf Gewährung von KFZ-Hilfe nach SGB XII

Leider haber ich zu dem Thema nicht mehr sprechen können, deshalb schreibe ich es. Vielleicht ist es auch besser so, denn mir kommen sofort die Tränen, wenn ich darüber reden muß. Mein Sohn erlitt mit 22 Jahren einen Verkehrsunfall und ist seitdem ab dem Wirbel C5/7 querschnittsgelähmt. Heute ist er 44 Jahre alt. Er war z.Zt. des Unfalls Zivi bei der VIF München und betreute Schwerstbehinderte. Während eines Urlaubs geschah der Unfall. Nach langem Krankenhausaufenthalt begann er wieder die Schule zu besuchen, studierte, erhielt während seines Studiums vom Bezirk Obb. ein behindertengerecht ausgebauten Bus, der ihm eine Teilhabe am gesellschaftlichem Leben ermöglichte. Er absolvierte sein Studium, nahm eine Beschäftigung auf und dann ging der Bus kaputt. Die Restkosten des Fahrzeuges waren geringer als die Kosten der Reparatur. Der Bezirk Obb., von dem der Bus als Eingliederungshilfe gewährt wurde, lehnte Kostenübernahme der Reparatur ab und riet zur Antragstellung auf ein neues Fahrzeug. Das war im Jahr 2005. Bis heute hat er noch keinen Ersatz. Der Fall liegt seit fast 5 Jahren zur Entscheidung beim Sozialgericht. Seit er nicht mehr mobil ist, fehlt ihm jede Motivation und er ist ausgegrenzt. Der Vergleich zum besprochenen Film zeigt uns nur, daß ein ausgefülltes Leben als Behinderter mir viel Geld einfacher ist, als sich durch die Distanzen unseres Sozialstaates zu kämpfen. Da schlägt sie vergangene Zeit eigene Wunden, die nicht mehr geheilt werden können. Die Nerven liegen bei allen Betroffenen ziemlich blank. Viele Fahrten werden seither mit meinem Fahrzeug, das nicht behindertengerecht ist, von mir oder den Helfern meines Sohnes gemacht. Da ist es einmal passiert, daß ein Helfer während einer Fahrt einfach anhält, aussteigt und weggeht, sagt er möge doch schauen wie er nach Hause käme. Dann fällt er beim Transfer vom Rollstuhl ins Auto auf die Straße. Diese Seite mit den Folgen einer Behinderung fertig zu werden ist nicht einach. Dennoch gehts weiter ......

u.m., Freitag, 27.Januar, 13:15 Uhr

5. Leben mit behinderung

Ich wollte gerne darauf hinweisen, dass viele Menschen, die um laufe ihres Lebens eine Behinderung erwerben, besonders an Vereinsamung leiden. So wird es ihnen schwer gemacht, nach einer traumatischen Erfahrung wieder uns leben zurück zu finden. Meine Tochter hat mit 25 Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten. Weil ihre Freunde nicht wussten, wie man damit umgeht, haben sie sich weitgehend zurück gezogen. Darunter leidet sie noch h heute, 6 Jahre später.

Edda Scherer, Freitag, 27.Januar, 13:10 Uhr

4. Behinderung

Mein Mann war viele Jahre an Demenz erkrankt.
Ich durfte ihn bis zu seinem Tod zuhause pflegen.
Ich bin immer offen mit seinen Einschrenkungen umgegangen.
Immer habe ich Hilfe erhalten von Freunden und auch fremden Menschen.
Allen Betroffenen möchte ich Mut machen um Notfall um Hilfe zu bitten .

Vielleicht thematisieren Sie das einmal in Ihrer großartigen Sendung.

Mit freundlichen Grüßen
Edda Scherer