Bayern 2 - Sozusagen!


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Hörer fragen Sozusagen! Seit wann hat eine Woche acht Tage?

Ein Rechenfehler mit Tradition

Von: Werner Müller, BR-Sprachpfleger

Stand: 01.08.2017

Hörer fragen Sozusagen! | Bild: BR

Ein Sozusagen!-Hörer fragt:

"Montag in acht Tagen“ statt „Montag in einer Woche“ oder „nächsten Montag“? Wenn es zum Beispiel Montag ist, und man spricht vom Montag in einer Woche, so sagt man oft „Montag in acht Tagen“ oder „heute in acht Tagen“. Aber man sagt ja auch nicht „heute in 15 Tagen“, wenn man den Tag in zwei Wochen meint.

BR-Sprachpfleger Werner Müller antwortet:

Es gibt sprachliche Erscheinungen, die gegen jede arithmetische Logik verstoßen – und trotzdem alltägliche Ausdrucksweise geworden sind: Dann treffen wir uns in acht Tagen wieder, also nächste Woche Montag, wie heute. Oder passt es bei dir in 14 Tagen besser? Da habe ich am Montag auch Zeit.

Wie kann sich eine offensichtlich unlogische Ausdrucksweise so klar durchsetzen und so hartnäckig halten?

Vermutlich haben ein paar Entwicklungen zusammengewirkt:

  • Der Sprecher rechnet den Tag des Wiedersehens und den aktuellen Tag mit, zählt also zu den sieben Tagen der Woche einen dazu – und kommt auf acht Tage. Bei der Zweiwochenfrist und längeren Zeiträumen hält er sich an die rechnerische Wocheneinheit von sieben Tagen.
  • Diese 7-Tage-Woche beruht auf der biblischen Erzählung von der Weltschöpfung im Buch Genesis: Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott. Das Neue Testament der frühen Christen datiert den Tag der Auferstehung Christi auf den Tag nach der Sabbat-Ruhe, also auf den achten Tag, der damit eine besondere Bedeutung erhält. Mit ihm, dem Sonntag, beginnt die neue Woche. (Erst seit 1975 gilt bei uns der Montag als erster Tag einer Woche.)
  • Die (vorchristlichen) Römer datierten die Tage nach ihrer Lage im jeweiligen Monat. Für politische und juristische Fristen nutzten sie den Zeitraum zwischen zwei Markttagen, den sogenannten nundinae, die jeweils am neunten Tag stattfanden. Der Zeitraum zwischen diesen Markttagen betrug daher acht Tage. Auch diese Regelung könnte die Zahl acht für den überschaubaren Zeitraum einer Woche vermittelt haben.
  • Die Zahl sieben zeigt eine Besonderheit, die sie aus der banalen Zählung hervorhebt: Sie hat als einzige Zahl der ersten Dekade zwei Silben. Die kurze Wortgruppe acht Tage geht leichter über die Lippen, wiederholt den Vokal -a- in gefälliger Assonanz und hängt sich schnell im Gedächtnis fest.
  • Bei Engländern und Italienern taucht keine Zahl für den Wochenzeitraum auf. Unser Ausdruck heute in acht Tagen lautet im Englischen in a week’s time oder a week from now, auf italienisch  fra una settimana,  Dagegen verfahren die Franzosen ganz ähnlich wie wir: Montag in einer Woche heißt bei ihnen: lundi en ‘huit.

Wir dürfen also ruhigen Gewissens entweder die fragwürdige Rechnung der acht Tage aufmachen – oder uns wie die Engländer schlicht einrichten in einer Woche.


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