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Würzburg Mittelalterliche jüdische Grabsteine als Buch

In Würzburg befindet sich die weltweit größte Hinterlassenschaft jüdischer Grabmäler aus dem Mittelalter. Insgesamt handelt es sich um 1455 hebräische Grabsteine, die in Würzburg und Höchberg gefunden wurden. Nun ist ein Buch darüber erschienen.

Stand: 10.01.2012

Die Gesellschaft für Fränkische Geschichte und der WiKom-Verlag haben gemeinsam das dreibändige Sachbuch "Die Grabsteine vom Jüdischen Friedhof in Würzburg aus der Zeit vor dem Schwarzen Tod (1147-1346)" herausgegeben. 25 Jahre nach seiner Entdeckung liegt nun die wissenschaftliche Auswertung eines Sensationsfundes auf dem Tisch: die weltweit größte Zahl jüdischer Grabsteine aus dem frühen Mittelalter. Erich Schneider, wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für fränkische Geschichte, ist stolz auf das Ergebnis: "So ein Ding, um es etwas flapsig auszudrücken, haben wir in der Form noch nie gestemmt. Das ist sowohl vom Umfang her, vom Gewicht her –  es sind zehn Kilogramm –  bis hin zur wissenschaftlichen Bedeutung dieser "Judensteine", das ist etwas Herausragendes!"

Schwieriger Altersnachweis

Theologieprofessor Karl-Heinz Müller vor einem mittelalterlichen jüdischen Grabstein aus Würzburg

Jedoch nur etwa jeder dritte Grabstein war datiert. Um das Alter der anderen zu bestimmen, hat der Würzburger Theologieprofessor Karl-Heinz Müller in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Israel völlig neue Methoden entwickelt: einen Schriftvergleich von Papier zu Stein. "Da kann man feststellen, dass ganz bestimmte Buchstaben zu ganz bestimmten Zeiten eine ganz bestimmte Form hatten und zwar nicht nur im handschriftlichen Teil der jüdischen Tradition, sondern vor allem auch auf den Grabsteinen", berichtet Müller.

Bedeutung Würzburgs aufgezeigt

Müller hat die so genannten "Judensteine aus der Pleich" als ausgewiesener Kenner des Judentums entschlüsselt und hat den teils bruchstückhaften Inschriften in mühsamer Forschungsarbeit ihre Botschaften abgerungen. Müller fand heraus, dass Würzburg im 12. u. 13. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde in seinen Mauern beherbergt hatte, die zu den führenden in Europa gehörte. "Und man kann auch sagen, dass es innerhalb der jüdischen Tradition wohl kaum einen bedeutenden Mann gegeben hat, der nicht längere Zeit in Würzburg gewesen ist oder zumindest hier ausgebildet worden ist", erklärt der Theologieprofessor. 

Glücksfall für die Mainfrankenmetropole

Buch-Cover: "Die Grabsteine vom Jüdischen Friedhof in Würzburg aus der Zeit vor dem Schwarzen Tod (1147-1346)"

Heute befinden sich die mittelalterlichen Grabsteine im jüdischen Gemeindezentrum "Shalom Europa" in Würzburg. Josef Schuster, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Bayern und Leiter des jüdischen Gemeindezentrums von Würzburg ordnet die Monumente in ihrer Bedeutung ein: "Es geht jetzt nicht nur um die Quantität – die Anzahl der Steine – es geht um die Qualität, die diese Gemeinde in ihren Mitgliedern hatte: Im jüdisch-wissenschaftlichen Bereich, in der Bedeutung dieser Gemeinde auch in ihrer Auswirkung, die diese Gemeinde weit über Deutschland hinaus zur damaligen Zeit hatte." Überall in Europa war die Meinung der Würzburger Rabbiner gefragt,  wie die Spurensuche in hebräischen Handschriften des frühen Mittelalters ergeben hat.

Info:

Gesellschaft für Fränkische Geschichte: "Die Grabsteine vom Jüdischen Friedhof in Würzburg aus der Zeit vor dem Schwarzen Tod (1147-1346)", Stegaurach 2012,  WiKomm Verlag, 2500 Seiten, 240 Euro, ISBN-10 386652958