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Karstadt Verdi richtet Kampfansage an Management

Ende August ist bei Karstadt der sogenannte Sanierungstarifvertrag ausgelaufen. Obwohl in einigen Häusern umgebaut und investiert wird, ist unklar, woher das Geld stammt. Die Gewerkschaft ist sauer.

Stand: 11.09.2012
Leuchtschrift des Karstadt-Konzerns | Bild: picture-alliance/dpa

Vor zwei Jahren hat der US-amerikanische Investor Nicolas Berggruen den Karstadt-Konzern übernommen. Berggruen erhielt den Zuschlag nicht zuletzt dank der Unterstützung der Gewerkschaft Verdi. Doch zwei Jahre nach Berggruens Einstieg ist die Euphorie verflogen und Ernüchterung hat sich breit gemacht. Berggruen streicht Stellen und ob er eigenes Geld in Karstadt Investiert, ist unklar. Auf die Frage, wie viel Berggruen in Karstadt investiert hat, wollten sich dem Bayerischen Rundfunk (BR) gegenüber weder der Konzern noch der Milliardär selbst äußern.

"Außer dem symbolischen Euro und den fünf Millionen für die Namensrechte sind Eigenmittel nicht geflossen. Insofern sind die eigentlichen Investoren die Beschäftigten, die 150 Millionen durch Verzichte von tariflichen Bestandteilen gegeben haben. Herr Berggruen hat bisher nichts gegeben und das ist ein Umstand, der die Beschäftigten natürlich auch inzwischen nicht nur nervös macht, sondern ich glaube, richtiggehend verärgert."

Johann Rösch, Verdi-Funktionär und Karstadt-Aufsichtsrat

Das Karstadt-Kaufhaus in der Nürnberger City

Von außen hat sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre kaum etwas bei Karstadt an der Lorenzkirche in Nürnberg verändert. Wer sich aber im Inneren umschaut, dem fällt die große Baustelle im zweiten Obergeschoss auf. Den Kunden wird signalisiert: Hier wird umgebaut und in die Zukunft investiert. Die Herrenabteilung im ersten Stock ist schon Anfang August neu gestaltet worden und wirkt luftiger als vorher. Im zweiten Stock lockt das neue Selbstbedienungsrestaurant "Le Buffet" , das ganz auf frische Produkte setzt.

Shop-in-Shop-Konzept ist die größte Neuerung

Das sogenannte Shop-in-Shop-Konzept in den Mode-Abteilungen bei Karstadt könnte die Kunden auf den ersten Blick verwirren. Denn die Kleidungsstücke sind dot, wo die sich die Marken präsentieren zu finden, also an vielen kleinen Ständen.

"Beim Shop-in-Shop-Konzept stellt der Händler die Fläche zu Verfügung und der Lieferant entscheidet dann, welche Produkte verkauft werden. Das macht man heute, weil die Konsumenten immer mehr Wert auf eine Marke legen. Dann tritt die Marke viel stärker in den Vordergrund."

Marco Atzberg, wissenschaftliches Institut EHI

Kein Kommentar zum künftigen Kurs

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen

Um sich auch in Zukunft auf dem Markt behaupten zu können, benötigen moderne Kaufhäuser heute mehr denn je ein klares Konzept. Für Gewerkschafter Rösch ist es aber derzeit nicht absehbar, wie sich der Essener Kaufhaus-Konzern künftig positionieren will. Seiner Ansicht nach sind auch die leitenden Karstadt-Mitarbeiter noch nicht ausreichend über Strategiekonzepte informiert worden: "Mein Eindruck ist, dass selbst Geschäftsführer oft die Richtung nicht so richtig erkennen und insofern ist die Kommunikation bei Karstadt aus meiner Sicht eine Katastrophe!" Weder das Karstadt-Management noch Nicolas Berggruen selbst wollten sich zur aktuellen Situation äußern. Ein ausführlicher Fragenkatalog des BR blieb unbeantwortet. Auch der Betriebsrat in Nürnberg war zu keinem Interview bereit.

"Das wird eine harte Auseinandersetzung"

Nach Röschs Ansicht hat sich die Karstadt-Belegschaft lange genug zurückgehalten und verdient vom Management ausreichende Informationen zu Arbeitsplatzsicherheit und Lohnhöhe. Mit dem Auslaufen des sogenannten Sanierungstarifvertrags endete auch der Kündigungsschutz für die Mitarbeiter. Rösch fordert nun klare Signale von Berggruen und seinem Management: "Das wird eine harte Auseinandersetzung, denn eine Belegschaft, die in den letzten Jahren Achterbahn gefahren ist, die viel für das Unternehmen geleistet hat und die letztlich die eigentlichen Investoren in diesem Unternehmen ist, hat es nicht verdient, dass man mit ihnen so umgeht!"


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