Bayern 2 - regionalZeit - Franken

Indisches Geigen-Talent Vom Himalaya ans Nürnberger Konservatorium

Die Geigerin Kushmita Biswakarma ist 21 Jahre jung - und hat bereits einen weiten Weg hinter sich: Sie stammt aus einem indischen Bergdorf, lernte dort Geige in einer Jesuitenschule und wurde von deutschen Musikern entdeckt.

Stand: 06.02.2012
Geigerin Kushmita Biswakarma | Bild: Kushmita Biswakarma

In einem Musiksaal der Nürnberger Musikhochschule übt Kushmita Biswakarma gemeinsam mit anderen Studierenden des Konservatoriums Orchesterpassagen. Unter all den versammelten Musiktalenten hat die junge Frau sicherlich die außergewöhnlichste Biographie. Biswakarma stammt aus einem indischen Dorf im Himalaya, ihre Eltern arbeiten als Tagelöhner auf den Feldern. Einen Schulbesuch können sich die Familien in ihrer Heimat meist nicht leisten. Doch Kushmita Biswakarma hatte Glück: Ein kanadischer Jesuitenpater gründete in ihrem Dorf eine Schule. Um der kleinen Biswakarma die Angst vor dem Schulbesuch zu nehmen, lenkte sie der Pater mit einer Geige ab. Es war Liebe auf den ersten Ton.

Gehörbildung mit dem Radio

Im Himalaya liegen die Wurzeln des indischen Geigentalents.

Fünf Jahre jung war Kushmita Biswakarma, als sie das erste Mal eine Geige in der Hand hielt. Seitdem ist viel passiert. In der Jesuitenschule stand regelmäßiger Musikunterricht auf dem Lehrplan - und auch zu Hause hat Biswakarma geübt: "Mein Papa hat so ein kleines Radio, da haben wir jeden Abend Musik gehört", erinnert sich die mittlerweile 21-Jährige. "Ich habe mir die Lieder gemerkt und nachgespielt." Und dann, eines Tages, kamen Geigenstudentinnen von der Musikhochschule in München in ihr Dorf, um die Kinder zu unterrichten. Sie entdeckten Kushmita Biswakarma und brachten sie mit 13 Jahren nach Deutschland. Dort bekam sie Einzelunterricht, später führte der Weg dann ans Konservatorium Nürnberg.

Naturtalent mit großen Zielen

Das Traumziel jedes Jungmusikers: das große Orchester

Dozentin des indischen Naturtalents ist Valerie Rubin. Ihrem Schützling bescheinigt Rubin großes Talent und enorme Kreativität. An der Musikhochschule standen zunächst aber vor allem Disziplin und Technik auf dem Lehrplan. "Wir mussten die technische Seite des Geigenspiel erst einmal aufbauen", so Rubin. "Kushmita musste sich schon erst daran gewöhnen, dass sie hier so hart arbeiten muss." Und der Weg von Kushmita Biswakarma ist noch lange nicht zu Ende. Die 21-Jährige will weiter studieren, ihren Master machen - und dann? Das Ziel ist klar: Irgenwann will Kushmita Biswakarma in einem großen Orchester spielen.