Nürnberg 350 Jahre Akademie der Bildenden Künste
Die Nürnberger Akademie der Bildenden Künste ist die älteste Kunstakademie im deutschsprachigen Raum. Vor 350 Jahren gegründet als intimer Künstlerkreis, präsentiert sich die Akademie heute als offenes Kreativlabor.
Am Anfang stand das Verlangen nach angemessener Darstellung der eigenen Macht und Herrlichkeit. Als die Idee für eine Nürnberger Akademie der Bildenden Künste vor 350 Jahren geboren wurde, da spielten die Repräsentationswünsche der hiesigen Oberschicht eine gewichtige Rolle. Denn Nürnberg war zur Barockzeit eine wohlhabende und bedeutende Reichsstadt - und die damalige "Upper Class" hatte großes Interesse daran, ihren sozialen Status auch durch standesgemäße Gemälde, Kupferstiche und Bildhauerarbeiten zu demonstrieren. Der Bedarf an fähigen Künstlern war groß in der Region, das Kontingent an geeigneten Künstlern weniger. Also wurde im Hause des Nürnberger Kupferstechers Jacob Sandrat eine Art Künstlerkreis installiert, um die Ausbildung vor Ort zu verbessern.
Aktzeichnen beim Kupferstecher
Im Hause Sandrat trafen sich fortan Künstler und Kunstinteressierte zum Gespräch und übten sich im Aktzeichnen. Vorbild der Einrichtung waren die damaligen Malerakademien in Italien. Unter anderem von dort waren vor Einrichtung der Nürnberger Akademie massenhaft Künstler angereist, um bei bedeutenden Kongressen ihre Dienste anzubieten. Die Fotografie war noch nicht erfunden und die Bildende Kunst war sozusagen das exklusive Medium, um wichtige Ereignisse im Bild und somit für die Nachwelt festzuhalten - eine Arbeit, die den Künstlern reichhaltige Entlohnung einbrachte.
Zeitstrahl: 350 Jahre Akademie der Bildenden Künste
Kritische Instanz statt schöner Deko
Das alles ist mittlerweile 350 Jahre her - und in der Zwischenzeit hat sich viel getan in der Nürnberger Kunstakademie. Heute versteht sie sich als Kreativlabor mit offenem Forschungsauftrag, sagt Akademie-Präsident Ottmar Hörl: "Es ist nicht mehr die Aufgabe, die Gesellschaft zu schmücken. Dafür haben wir neue Systeme, Wir haben den Beruf des Dekorateurs erfunden. Wir haben den Beruf des Werbefotografen, des Werbegrafikers", zählt Hörl auf und fährt fort: "All das waren früher klassische Themen der Bildenden Künstler. Heute hat der Künstler die Aufgabe, eine kritische Instanz seiner Gesellschaft darzustellen."
Künstlerlaufbahn als finanzielles Wagnis
An diesem gesellschaftlichen Auftrag arbeiten die Studierenden der Nürnberger Kunstakademie längst auch mit den Mitteln moderner Technik. Neben traditionellen Darstellungsformen wie Malerei oder Bildhauerei kommen verstärkt hochauflösende Kameras, Computer und 3D-Drucker zum Einsatz. Den Ideen der angehenden Künstler scheinen kaum Grenzen gesetzt. An Grenzen stoßen die Absolventen eher, wenn es an die Vermarktung ihrer Arbeiten geht. Lediglich zwei Prozent können von und mit ihrer Kunst tatsächlich leben, aber viele der Studierenden haben ohnehin schon einen "Plan B" in der Tasche: Die meisten arbeiten nach ihrem Studium als Kunstlehrer an Schulen.
Web-Tipp
Weitere Informationen zur Akademie der Bildenden Künste finden Sie hier:

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