Der Münchner Maler Theodor Horschelt Links der Zeichenblock und rechts die Waffe
Kriegsberichterstatter, Kaukasuskenner, Künstler: 140 Jahre nach seinem Tod ist der Münchner Schlachtenmaler Theodor Horschelt in Deutschland fast vergessen - in Georgien aber gelangte er zu anhaltendem Ruhm.
Die Geschichte des 1829 geborenen Kriegskünstlers beginnt in München – wo heute nicht viel mehr als eine kurze Einbahnstraße in Schwabing an den Künstler erinnert. Der Sohn des Ballettmeisters Friedrich Horschelt und seiner Frau Barbara – einer Primaballerina – studiert an der Kunstakademie und träumt davon, als Schlachtenmaler durch ferne Länder zu reisen. Mit kleineren Gemälden verdient er sich das Geld für den ersehnten Aufbruch in den Kaukasus. Über Odessa und Sewastopol reist Horschelt schließlich nach Tiflis, das schlagende Herz des Kaukasus, Wirtschafts- und Kulturstadt in einer Ecke der Welt, in der zu dieser Zeit die meisten Menschen nicht einmal schreiben können.
Der Löwe von Tschetschenien
Link-Tipp
Das Georgische Nationalmuseum in Tiflis besitzt 170 Horschelt-Zeichnungen und Gemälde; die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gerade mal eines. Einige Horschelt-Werke und mehr Infos zur Biografie des Münchner Malers sind auf der Internetseite des Goethe-Instituts Tbilissi zu finden.
Kaum angekommen, schließt Horschelt sich 1858 einem Feldzug gegen Russlands Staatsfeind Nummer Eins an - Imam Schamil, der seit Jahrzehnten den Nordkaukasus verteidigt. Als 200.000 Soldaten gegen den "Löwen von Tschetschenien" vorrücken, ist Horschelt dabei - die Waffe in der einen, den Zeichenblock in der anderen Hand.
"Eine peinliche halbe Stunde verging noch, in welcher wohl jedes Herz voll Erwartung klopfte, den berühmten Mann zu sehen, der so lange mit unbestreitbarem Geist und grosser Kühnheit den russischen Waffen widerstanden. Da endlich erscholl ein langgezogenes Hurrah der das Dorf umringenden Soldaten, und ein dichter Menschenknäuel drängte sich zwischen den Häusern hervor. Es war Schamyl, umgeben von (...) etwa 40 Müriden, wilde Gestalten, bis an die Zähne bewaffnet."
Theodor Horschelt, zitiert nach: Hyacinth Holland (1890): 'Theodor Horschelt, ein Künstlerleben und -schaffen' Bamberg: Buchnersche Verlagsbuchhandlung.
Horschelt malte nicht nur mit Stift und Pinsel, er malte auch mit Worten. Ein Horschelt-Text und ein Horschelt-Bild haben in der Tat viel gemeinsam: Sicher und schön in der Zeichnung, leicht im Vortrag, wahr in der Darstellung. Genau beobachtete Szenen und vor allem: Menschen. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen loben in ihrem Bestandskatalog des Künstlers Hand. "Die klar erkennbare Episode, die konturiert plastischen Gestalten haben Vorrang vor Farbexperimenten und der Darstellung von Lichtsensationen."
Streben nach Wahrheit
In jeder gezeichneten Pelzmütze, jeder Mantelfalte ist Horschelts Anspruch spürbar: Die Dinge festhalten, wie er sie sieht, unverfremdet, fast photographisch. Dieses Streben nach Wahrheit macht Horschelts Bilder und Texte so glaubwürdig. Seine Zeichnungen sind Zeugnisse ihrer Zeit und Region.
1863 kehrt Horschelt nach München zurück und vollendet dutzende Bilder, darunter sein Hauptwerk: "Die Gefangennahme Schamils". 1870 lädt ihn der Zar persönlich in den Kaukasus ein - aber erst kommt der deutsch-französische Krieg dazwischen, dann stirbt Horschelt mit nur 42 Jahren an Diphterie. Er hat grimmige Winter überlebt und blutige Kriege – und nun tötet ihn ein Bakterium. Seinen Kaukasus hat er nie wieder gesehen - wir aber sehen die Region heute auch durch Horschelts Augen.

Wetter



