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Der Maler Francisco de Goya Brutal. Loyal. Und muy liberal!

Wer war dieser Goya? In schockierender Offenheit stellt er zerfetzte Leichen, Hinrichtungen und andere Kriegsgräuel dar, malt die Folteropfer der Inquisition und besoffene Mönche. Gleichzeitig unterwirft er sich als königlicher Hofmaler Adel und Monarchie.

Autor: Julie Metzdorf Stand: 24.01.2012

Wie bei keinem zweiten Maler seiner Zeit ist Goyas Lebenswerk in zwei Teile gespalten. Auf der einen Seite steht die offizielle Kunst: repräsentative Porträts der Mitglieder des Königshauses, Staatsbildnisse mächtiger Politiker und Adliger. Angepasste Werke, in denen sich der Maler den Wünschen des Auftraggebers unterordnet. In dieser Rolle als Hofkünstler ist Goya Teil des monarchischen Systems und repräsentiert den Staat selbst mit; als Hofmaler gehört er gar zur höfischen Familie.

Porträt der spanischen Königsfamilie (1800-01)

Auf der anderen Seite steht seine inoffizielle Kunst: private Arbeiten im Selbstauftrag. Hier ist er frei und ungebunden, kann sich selbst verwirklichen und Kritik äußern. Sie richten sich gegen Aberglauben und Hexenwahn, gegen religiösen Fanatismus und das Fehlverhalten des Klerus, gegen Prostitution und Kuppelei, gegen die Dummheit junger Mädchen bei der Wahl ihrer Ehemänner und gegen zwielichtige Erziehungsmethoden, gegen die irrwitzige "Arbeit" der Inquisition, gegen Folter und Mord.

Ungeheuerlichste Grafikserien der Kunstgeschichte

Als Sohn eines angesehenen Vergolders wird Goya 1746 unter einfachen Verhältnissen in der aragonesischen Provinz nahe Saragossa geboren. Mehrfach bemüht er sich um ein Stipendium an der Königlichen Kunstakademie San Fernando in Madrid, doch er wird abgelehnt. In seiner Heimatstadt Saragossa aber entwickelt er sich zu einem einflussreichen Künstler. Ab 1774, mit 28 Jahren, beginnt er für die Königliche Teppichmanufaktur zu arbeiten und fertigt fortan Vorlagen für die Wandbehänge der königlichen Paläste. Er wird vom König bezahlt und kommt mit den Angehörigen der höchsten Adelshäuser in Kontakt. Nach und nach macht er sich einen Namen als Porträtist, wird zum königlichen Maler und bald darauf zum Hofmaler ernannt.

Goya-Bild aus der Reihe "Caprichos"

Seinen Nachruhm als Gesellschaftskritiker, Aufklärer und Nationalheld verdankt er jedoch seiner Antikriegsserie "Desastres" und den gesellschaftskritischen "Caprichos". Die beiden Grafikserien zählen zu den ungeheuerlichsten der Kunstgeschichte. Ein Revolutionär ist Goya trotzdem nicht, und auch kein Demokrat. Er erkennt das politische System der aufgeklärten Monarchie und die Macht des Adels unter Karl III. und Karl IV. an und macht sich selbst freiwillig zum Teil dieses Systems. Im April 1828 stirbt Goya im Alter von 82 Jahren in Bordeaux.