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George Forestier Der "deutsche Rimbaud"?

In der jungen Bundesrepublik Deutschland war es der erste Literaturfälschungsskandal: Der erfolgreiche Schriftsteller George Forestier hat nie existiert.1955 wurde bekannt, dass er nur eine geschickte Marketing-Erfindung war.

Von: Michael Basse Stand: 26.04.2012
Bücher | Bild: colourbox.com

Mit einem einzigen Gedichtbändchen avancierte George Forestier zum Starpoeten. Verse wie "Oblate des Monds / auf verrosteten Lippen / dreht sich die Schar / der Gehenkten im Kreis" schienen das Lebensgefühl einer ganzen Kriegsgeneration zu treffen. Über George Forestier wurde die Legende erzählt, er sei der Sohn eines Franzosen und einer Deutschen. Mehr als 20.000 mal verkaufte sich das Bändchen des angeblich dichtenden Ex-SS-Manns aus dem Elsass, der zum Dienst in der französischen Fremdenlegion in Indochina gepresst wurde.

Ein gefeierter Betrüger

"George Forestier" alias Karl Emerich Krämer

Der Literat Gottfried Benn schrieb über Forestier: "Er selbst sah seinen Ruhm nicht mehr, auch nicht dessen ersten lockenden Schein, aber sein Name wird angeschlossen sein an die Reihe der Zarten und Schönen, der Frühbezwungenen" - und applaudierte damit einem Phantom. Denn "George Forestier" war nichts weiter als die clevere Erfindung des deutschen Verlagslektors Karl Emerich Krämer, der mit seinen eigenen Versen nirgends landen konnte. Der Fall Forestier war nicht der einzige deutsche Literaturfälscherskandal.

Wie fälsche ich ein Buch?

Bei vielen Büchern merkte man erst im Nachhinein, dass die Verfasser die Leser an der Nase herumgeführt haben.

Neben den möglichst exotischen Umständen, unter denen ein verloren geglaubtes Werk auftaucht, scheint als zweites "Erfolgsrezept" die Person des Autors eine wichtige Rolle zu spielen. Je exotischer die Herkunft, desto größer offensichtlich unsere Bereitschaft, auch abstrusen Geschichten Glauben zu schenken. Die vermeintliche historische Authentizität verschafft den Werken einen Glaubwürdigkeitsvorsprung. Es gibt noch ein drittes Erfolgsprinzip: Zu schreiben, was die Menschen gerne lesen wollen. Auch das lässt sich perfekt in einem erfundenen historischen Umfeld platzieren.

"Wir brauchten Geld"

In Deutschland ist beispielsweise 1957 das Buch "Lobgesang Rampa: Das dritte Auge. Ein tibetanischer Lama erzählt sein Leben" erschienen. Nur eine operativ behandelte Zirbeldrüse ermöglichte dem Protagonisten das Überleben, so hieß es. Mit diesem "Dritten Auge" könne er die Aura der Menschen wahrnehmen. "Das Buch ist freie Erfindung", teilte die Frau des Autors 1958 der Presse mit: "Wir brauchten Geld".

Die Lügengeschichte vom Schriftsteller Forestier

Karl Emerich Krämer war Journalist und erfolgloser Schriftsteller. Das Kriegsende erlebte er im Oberkommando der Wehrmacht und kam dann in ein Internierungslager bei Hersbruck. Dort freundete er sich mit einem SS-Mann namens Förster an, der später von den Amerikanern an die Franzosen ausgeliefert und von den Franzosen in die Fremdenlegion gesteckt wurde. Er galt dann in Indochina als verschollen. Seinen Namen und sein Schicksal benutzte Krämer später für die Forestier-Legende – er übersetzte einfach das Wort Förster ins Französische ("Forestier") und schickte ein eigenes Manuskript unter dessen Namen ein. Nachdem die Geschichte vom dichtenden Milizionär einschlug wie eine Bombe, hatte sein Verleger Eugen Diederichs aber schon 1953 Zweifel. Daraufhin wechselte "Forestier" alias Krämer den Verlag. 1955 verriet der Verleger den Fälscher - das Publikum fühlte sich betrogen. Der Traum von Starautor war ausgeträumt.


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