Anarchistin und Friedensaktivistin Die gefährlichste Frau Amerikas
"Die gefährlichste Frau Amerikas": So - wenn auch nicht ganz wörtlich - nannte J.Edgar Hoover, Gründer und jahrzehntelang Leiter des FBI, jene rebellische Fünfzigjährige, die er 1919 aus den USA in die Sowjetunion deportieren ließ.
Hoover war auf diese Tat noch Mitte der 50er-Jahre stolz. Seine Beurteilung schien angesichts von sechzehn Verhaftungen in sechzehn Jahren auch nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.
Geburtenkontrolle und freie Liebe
Die litauische Jüdin Emma Goldman (1869-1940) hatte schon einiges Elend dieser Welt geschmeckt, als sie 1885 in ein Amerika auswanderte, das in Hinsicht auf soziale und politische Theorien dem heutigen nur sehr wenig glich. Der Sozialismus und sogar das Eintreten für Herrschaftsfreiheit, der Anarchismus, waren Weltanschauungen, die damals in den USA beträchtlichen Zulauf hatten. Sehr bald fand Emma Goldman in dieser Strömung ihre geistige Heimat.
Noch eine EMMA
Rhetorisch hochbegabt, verfocht sie in Artikeln und Vorträgen ketzerische Themen – etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Geburtenkontrolle und freie Liebe - und schmähte heftig jede Form von Krieg. Nachdem sie 1917 sogar zur Wehrdienstverweigerung aufgerufen hatte, reichte es den Behörden, und Hoover schritt zur Tat, um ihren als staatsgefährdend eingestuften Umtrieben ein Ende zu setzen.
Frühe Vertreterin der amerikanischen Friedensbewegung
Über ihre Erfahrungen in Sowjetrussland, das sie Ende 1921 enttäuscht verließ, schrieb sie ein Buch, welches für Nachgeborene von besonderem Interesse ist, zumal sie als bekennende Linke bereits in der Frühphase der Sowjetunion den Keim kommenden Terrors erkannte. Die Jahre danach verbrachte sie in wechselnden Exilländern, blieb jedoch bis ans Ende ihrer Tage ihren Idealen treu. In den 1960ern und 70ern sangen Feministinnen: "Emma said it in nineteen ten; now we're going to say it again". Heute wird sie einmal mehr wiederentdeckt: als bedeutende Zeitzeugin und frühe Vertreterin der amerikanischen Friedensbewegung – aber auch als kämpferische Verfechterin der freien Liebe, die sie selbst in die Tat umsetzte.

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