Bayern 2 - radioZeitreisen

Der klassische Klau Das British Museum und der Parthenonfries

Gelegenheit macht Diebe. Das gilt auch für die große Kunst. Wer etwa auf Athens Burgberg, der Akropolis, den Fries des majestätischen Parthenon bewundern will, bekommt nur noch einen Teil davon zu Gesicht. Der Rest kam auf nicht ganz legalem Weg nach London.

Von: Thomas Kernert Stand: 25.09.2012
Teile des Parthenon-Frieses im British Museum in London | Bild: picture-alliance/dpa

Kunstraub ist eine Disziplin, in der sich im Verlauf der Geschichte so manche Nation hervorgetan hat. Nicht wenige europäische Museen stünden leer, würde man all die geraubten Kunstschätze den rechtmäßigen Besitzern zurückgeben. Thomas Kernert erzählt in den radioZeitreisen von einem besonders dreisten Fall von Kunstraub - der bis heute folgenlos blieb.

Der 7. Earl of Elgin

Ein Name wird wohl für immer mit diesem Coup verknüpft bleiben - der von Thomas Bruce, dem 7. Earl of Elgin. Bruce war ein großer Verehrer der antiken Kunst. Nichts besaß in seinen Augen mehr Schönheit, Kraft und Erhabenheit als der von den Steinmetzen der Antike geformte Marmor. Die Ernennung zum britischen Botschafter in Konstantinopel 1799 brachte Bruce die ersehnte Gelegenheit, antike Kunst im Original bestaunen zu dürfen.

Zunächst hatte der Earl wohl nur den Plan, die antiken Statuen zu vermessen und zu kopieren, um seine englischen Landsleute an der klassischen Kunst teilhaben zu lassen. Zu diesem Zweck heuerte er in Italien diverse Künstler an. Sodann wandte sich Bruce an den osmanischen Sultan Selim III., damals Herr über Griechenland. Dieser sah kein Problem darin, den britischen Gästen freien Zugang zur Akropolis zu gewähren. In einem "Ferman", einer offiziellen schriftlichen Anweisung, befahl der Sultan den Behörden in Athen:

"...dafür zu sorgen, dass sie...(gemeint waren Elgins Leute)...keine Hindernisse antreffen mögen beim Zutritt, bei der Untersuchung und beim Studium der Bilder und Gebäude, die sie aufzeichnen wollen. Auch dürfen sie Gerüste aufstellen und ihre Instrumente benützen. Des Weiteren dürfen sie mit ihren Leitern von allen Dingen Abdrücke mit Mörtel machen. Sie dürfen die Fragmente und alle Ruinen vermessen. Sie dürfen Grabungen an den Fundamenten vornehmen, um auf beschriftete Steinblöcke zu stoßen. Und wenn sie einige Steinblöcke mit Inschriften oder Figuren darauf, mitnehmen wollen, ist dem nicht zu widersprechen."

Sultan Selim III.

Doch in welchem Umfang die englischen Gäste sich an den klassischen Altertümern bedienen würden, hätte sich der Sultan sicher nicht träumen lassen. Insgesamt 17 Figuren aus dem Tympanon, 15 Metopen sowie 75 Meter Fries von insgesamt 160 Metern ließ der Earl entfernen und nach London verschiffen. Dies entspricht mehr als der Hälfte dessen, was heute vom gesamten skulpturalen Schmuck des Parthenon-Tempels noch erhalten ist.

Im Kontext der Weltkultur

Doch in welchem Umfang die englischen Gäste sich an den klassischen Altertümern bedienen würden, hätte sich der Sultan sicher nicht träumen lassen. Insgesamt 17 Figuren aus dem Tympanon, 15 Metopen sowie 75 Meter Fries von insgesamt 160 Metern ließ der Earl entfernen und nach London verschiffen. Dies entspricht mehr als der Hälfte dessen, was heute vom gesamten skulpturalen Schmuck des Parthenon-Tempels noch erhalten ist.

Das aktuelle Argument des Britischen Museums: Im Akropolis-Museum kann man die in Athen verbliebenen Parthenon-Skulpturen vor dem Hintergrund der antiken Geschichte betrachten. Die Parthenon-Skulpturen in London jedoch stehen ganz im Kontext der Weltkultur. Kosmopolitischer kann man Kunstraub nicht mehr begründen.


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