Entdeckungsfahrt Chamissos abenteuerliche Weltumseglung
Drei Jahre lang nahm der idealistische Sinnsucher Adelbert von Chamisso das raue Seemannsleben an Bord eines Segelschiffes in Kauf: Der Dichter war als "Titulargelehrter" auf dem russischen Kriegsschiff "Rurik".
Im Herbst 1815 stach das russische Kriegsschiff "Rurik" von Kronstadt aus in See. Die schnelle Zweimast-Brigg war mit den modernsten Instrumenten ausgestattet und stand unter dem Kommando des Otto von Kotzebue. Kotzebue, der als junger Kadett unter Krusenstern die erste russische Weltumsegelung mitgemacht hatte, war ein verwegener Seemann und ausgezeichneter Navigator. Ohne größere Zwischenfälle steuerte er die "Rurik" durch den Atlantik, um Kap Hoorn herum und weiter durch die polynesische Inselwelt bis zu den Aleuten.
Die unbeabsichtigte Weltumseglung
Ziel der Expedition war es, den bis dato unerforschten Seeweg durch die Beringstraße um Nordamerika herum nach Europa, die so genannte "Nordöstliche Durchfahrt", zu erkunden. Deren Entdeckung hätte für die Expansionsvorhaben des Zarenreichs und die Verbindung zu seinen Stützpunkten in Alaska einen unschätzbaren Vorteil bedeutet. Als Kotzebue jedoch erkrankte, verzichtete er auf die Fahrt ins Polarmeer und führte die "Rurik" stattdessen südwärts. Das Schiff umrundete das Kap der Guten Hoffnung und erreichte schließlich nach drei Jahren wohlbehalten die Docks von Sankt Petersburg. Obwohl nicht als solche geplant, war die Fahrt somit zur Weltumsegelung geworden.
Ein Promi an Bord
Prominenter Teilnehmer der Expedition war der Dichter und Botaniker Adelbert von Chamisso. Der Freigeist im Rang eines "Titulargelehrten" machte auf der "Rurik" eine harte Lehrzeit durch. In der Beengtheit an Bord kam es häufig zu Konflikten, die Ernährung war eintönig, an Ungeziefer herrschte kein Mangel, obendrein war Chamisso häufig seekrank. Die russischen Matrosen - Bauernsöhne, die ihren Vätern für ein Handgeld abgepresst wurden - belächeln den feingeistigen "Franzosen", zeigen ihm die kalte Schulter: In ihren Augen war Chamisso - der weder mit einem Senkblei umzugehen weiß noch mit dem Sextanten - ein weltfremder Aristokratenschnösel.
"Turmhoch bäumt sich die See, und man haust in dieser Nußschale ganz erbärmlich: Rundherum der Gestank von Teer, Latrinendünsten und ungewaschenen Matrosen, als nasebetäubendes Duftbukett. Von Zeit zu Zeit, mit dem Kopf über der Reling, gibt man volle Salve. Danach liegt man, mit entleertem Magen, ganz stille, in seiner Koje."
Adelbert von Chamisso
Auch brachte Kotzebue - in den Augen Chamissos ein veritabler Unsympath - für die Extrawünsche seines Naturforschers nur wenig Verständnis auf. Dennoch vermittelte die entbehrungsreiche Fahrt dem Spross des französischen Hochadels eine Fülle neuer Eindrücke und Erkenntnisse.

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