Bayern 2 - radioWissen


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Der Traum von einer stabilen Weltwährung

Von: Christian Sepp / Sendung: Christine Bergmann

Stand: 09.11.2017

Soziale und politische BildungGy

Im Juli 1944 trafen sich 44 Vertreter der späteren Siegermächte im amerikanischen Bergdorf Bretton Woods. Ziel dieser Konferenz war es, nach dem Zweiten Weltkrieg eine funktionsfähige Ordnung der Weltwirtschaft zu schaffen.

44 Nationen in einem abgelegenen Bergdorf

Der Zweite Weltkrieg tobte noch mit aller Wucht, da machten sich die späteren Siegermächte schon Gedanken darüber, wie es nach dem Ende der blutigen Auseinandersetzungen mit der Weltwirtschaft weitergehen sollte. Im Sommer 1944 trafen sich Vertreter von 44 Nationen in dem US-amerikanischen Bergdorf Bretton Woods im Bundesstaat New Hampshire. Hier stampften innerhalb weniger Tage die klügsten Ökonomen ihrer Zeit eine neue Währungsordnung aus dem Boden - das System von Bretton Woods. Dabei standen sich zwei Fraktionen gegenüber: Die Amerikaner, unter der Führung von Harry Dexter White, und die Briten, an deren Spitze John Maynard Keynes stand. Während die Amerikaner auf freien Handel, wenig Kontrollen und Beschränkungen und feste Wechselkurse aus waren, verfolgten die Briten den Plan, steuernde Eingriffe zu erlauben und die Wechselkurse frei zu halten.

Das System von Bretton Woods

Harry Dexter White (links) und John Maynard Keynes am 8.3.1946 in Savannah, Georgia, USA

Man einigte sich auf einen Kompromiss, der am 22. Juli 1944 paragraphiert wurde. Darin einigte man sich auf feste Wechselkurse, die um ein Prozent nach oben oder unten schwanken durften. Sollte das Tauschverhältnis nicht mehr der tatsächlichen Stärke der Währung entsprechen, konnten neue Wechselkurse festgelegt werden. Leitwährung des Systems wurde der US-Dollar, denn alle Devisentransaktionen richteten sich nach dem Tauschverhältnis der einzelnen Währungen zum Dollar. Dafür verpflichteten sich die USA, die Dollar-Reserven jedes teilnehmenden Landes jederzeit gegen Gold einzutauschen und zwar zu einem festen Kurs von 35 Dollar pro Unze Gold. Zudem verständigte man sich auf die Gründung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Amerikaner hatten sich in den meisten Punkten durchsetzen können.

Erfolg und Krise

Nach dem Ende des Krieges dauerte es noch einige Zeit, bis das neue Weltwährungssystem richtig arbeiten konnte. 1947 nahm der IWF seine Arbeit auf, 1949 trat die Bundesrepublik Deutschland dem System fester Wechselkurse bei. Das neue Währungssystem bildete nach Zeiten der Krisen und Kriege die Grundlage für eine Stabilisierung des internationalen Kapitalverkehrs und des internationalen Handels und führte zu einer historisch einmaligen Wohlstandsmehrung. Bretton Woods wurde zum Synonym für eine Ära der wirtschaftlichen Stärke. Allerdings besaß das System auch Schwachstellen, die im Laufe der Zeit immer deutlicher hervortraten. Das hing zusammen mit der Dominanz des US-Dollars, mit den unterschiedlichen strukturellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen und den grundlegenden Problemen eines Systems mit festen Wechselkursen. 1971 beendete Präsident Nixon die Bindung des Dollars an das Gold ("Nixon-Schock"), zwei Jahre später beschlossen einige europäische Länder den endgültigen Ausstieg aus einem System fester Wechselkurse. 1973 wurde das System von Bretton Woods offiziell außer Kraft gesetzt.


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