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Die wichtigsten Worte der Bibel Das Thema

Stand: 01.06.2010 | Archiv

Die 10 Gebote | Bild: picture-alliance/dpa

Die Zehn Gebote sind in der Bibel an zwei Stellen zu finden: Im Pentateuch, den Fünf Büchern des alten Testaments, im Buch Exodus und dem Buch Deuteronomium. Die Zehn Gebote werden von den Bibelwissenschaftlern Dekalog genannt. Der Begriff kommt aus dem Griechischen "deka" und "logos" und bedeutet die Zehn Worte. Durch die Übersetzung der in altgriechisch verfassten Septuaginta (um 250 v. Chr. in Alexandria entstanden) wurde "hoi deka logoi" (Dtn 10,4) zum lateinischen "decalogus" und erhielt damit als "Dekalog" Einzug in den heutigen Sprachgebrauch. In der Bibel selbst ist also nicht ausdrücklich von Zehn Geboten, sondern von den Zehn Worten die Rede, die der Herr seinem Volk Israel übermittelt hat.

Die Zehn Gebote und die Textstellen der Bibel

"Am dritten Tag im Morgengrauen, begann es zu donnern und zu blitzen. Schwere Wolken lagen über dem Berg, und gewaltiger Hörnerschall erklang. Das ganze Volk im Lager begann zu zittern. Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen. Du sollst den Namen des Herren, deines Gottes, nicht missbrauchen Gedenke des Sabbats: halte ihn heilig! Ehre deinen Vater und deine Mutter. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen."

(Ex 19, 6ff.).

In dieser Version sind die Gebote in eine öffentliche Gotteserfahrung eingebettet, als Jahwe dem Volk auf dem Berg Sinai erscheint. Die zweite Fassung der Zehn Gebote im Buch Deuteronomium fügt den Gesetzestext in eine pädagogisch formulierte Ansprache ein, die Moses dem Volk Israel überbringt. (Dtn. 5) Noch heute ist unter den Fachleuten umstritten, welche Version die ältere ist, grundsätzlich zeichnen sich zwei Modelle ab. Modell A: Beide Fassungen gehen auf ein gemeinsames Urmodell zurück, die in der Folge abweichend erweitert worden sind, was die zum Teil unterschiedlichen Inhalte erklären würde. Modell B: Die Fassungen sind in literarischer Abhängigkeit zueinander entstanden, wobei angenommen wird, dass der Exodustext die ursprüngliche Fassung darstellt.

Geschichtliche Herkunft der Zehn Gebote

Am Fuß des 2.285 Meter hohen "Mosesbergs" soll Moses die Zehn Gebote empfangen haben.

Das Volk Israel bildete sich schrittweise aus einzelnen in der Wüste nomadisierenden Stämmen, die jeweils eigene Glaubensvorstellungen hatten. Langsam schlossen sich die Sippen zusammen - die verschiedenen Vorstellungen glichen einander an. Man nimmt an, dass sich im Laufe dieses allmählichen Zusammenschlusses auch die Zehn Gebote als gemeinsames Regelwerk entwickelt haben (ca. 10.-7. Jahrhundert vor Christus). Die älteste bekannte Bibelhandschrift "Papyrus Nash" aus dem 2. Jahrhundert vor Christus enthält den Dekalog noch als Mischform beider Versionen.

Wissenschaftliche Fragestellungen an die Textstellen der Bibel

Es fasziniert heute die Frage, wie der Dekalog in das jeweilige literarische Umfeld gebettet ist und sein Verhältnis zu späteren biblischen Gesetzessammlungen. Bereits Goethe fiel eine weitere Reihung von vier Verboten und sechs Geboten im Buch Deuteronomium auf (Dtn. 34), denen er eine andere Quelle als die geläufigen Fassungen zuschreibt. Diese wird heute "kultischer Dekalog" genannt.

Auch die Entdeckung und der Bezug der Zehn Gebote zu Katalogen altorientalischen Umfeldes wirft spannende Fragen auf. So sind die Zehn Gebote sehr knapp auf wenige zentrale Punkte konzentriert, während zum Beispiel bei Ägyptern und Hethitern vielerlei Detailvorschriften aufgelistet werden. Im Gegensatz zu den kasuistisch formulierten Gesetzgebungen, in denen häufig ein Strafmaß bestimmt wird, ist der Bibeltext in seiner Ausschließlichkeit radikal apodiktisch formuliert.

Wichtig ist auch die Betrachtung der Darstellung Gottes; die Zehn Gebote leiten recht ungewöhnlich ein: "Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus." Gott präsentiert sich als Befreier und stellt sich als positiv agierender Gott dar. Dies hat theologisch weit reichende Konsequenzen, denn hier spricht kein Tyrann zum Menschen, sondern ein unmittelbarer Partner.

Die Zehn Gebote bis heute

Für die Juden waren die Zehn Gebote über die Jahrhunderte das zentrale Gesetz, sie wurden bei Festversammlungen im Tempel vorgetragen und werden bis heute in den Synagogen rezitiert. In der Antike war der Kirchenvater Augustinus (354-430) ein wichtiger Vermittler und Lehrer der heiligen Schrift. Die Zehn Gebote, waren für ihn ein zentrales Element der Glaubensvermittlung.
Mit der Übersetzung der Bibel durch Martin Luther (1534) konnten auch Menschen, die der lateinischen Sprache nicht mächtig waren, die Gebote selber nachlesen. Auch dem Islam liegen allgemeingültige Aussagen zugrunde, die auf Ideen der Zehn Gebote basieren. Im Koran finden sich Textstellen, die mit den christlichen Vorstellungen konform gehen. „Setze Gott keinen anderen Gott zur Seite. Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur ihm dienen sollt, und dass man die Eltern gut behandeln soll. Und nähert euch nicht der Unzucht. Und tötet nicht den Menschen, den Gott für unantastbar erklärt hat“.
Spätestens seit der Aufklärung zählt der Dekalog zu den Grundwerten unseres kulturellen Erbes, ohne den eine demokratische Gesellschaft nicht denkbar wäre. Die Ideale von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit spiegeln die Werte der Zehn Gebote wider. Viele Intellektuelle beziehen sich auch heute auf die Zehn Gebote, die Frage dabei lautet, ob nicht ein mehr oder weniger auf den Geboten basierendes Naturgesetz genügt, um das menschliche Miteinander in einer Gesellschaft zu organisieren. Ein Gesetz also, welches unumstößlich wäre und auf Grund allgemein akzeptierter sittlicher Überzeugungen nicht angezweifelt werden kann.

1979 nahmen auch die deutschen katholischen Bischöfe und die evangelische Kirche zu den Geboten Stellung, in dem sie die diese Grundwerte als nicht in Frage zu stellende Normen deklarierten. In der Auslegung der einzelnen Gebote werden heute auch in der christlichen Diskussion Versuche unternommen, sie auf einen zeitlosen Kern zu konzentrieren und Lösungen einer weiter gefassten Interpretation anzubieten ...
 


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