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Zeitalter des Menschen

Von: Christian Sepp / Sendung: Gerhard Richter

Stand: 06.03.2014 | Archiv

Mensch, Natur und UmweltRS, Gy

Im Jahr 2000 hat der Atmosphärenforscher Paul J. Crutzen für unser Erdzeitalter einen neuen Begriff eingeführt: das Anthropozän. Dieses Konzept einer neuen, vom Menschen dominierten geologischen Erdepoche wird rege diskutiert.

Eine neue geologische Erdepoche

Auf einer wissenschaftlichen Konferenz im Jahre 2000 formulierte der niederländische Atmosphärenforscher Paul J. Crutzen erstmals sein Konzept von einer neuen geologischen Erdepoche - dem Anthropozän. Zentrales Merkmal dieses Zeitalter ist es, dass der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. Daher auch die Bezeichnung Anthropozän, das aus dem Griechischen stammt und sinngemäß "das menschlich gemachte Neue" bedeutet. Nach der Vorstellung Crutzens beendet das Anthropozän das Holozän, jene warme und stabile Klimaphase, die sich über die letzten zehn bis zwölftausend Jahre erstreckte. Den Beginn des Anthropozäns datiert Crutzen auf das späte 18. Jahrhundert, da Untersuchungen von in Eiskernen eingeschlossenen Luftbläschen ergeben haben, dass die Konzentration von CO² und Methan in der Atmosphäre zu dieser Zeit weltweit zuzunehmen begann. Dieses Datum fällt überdies zusammen mit einer für die Industrialisierung zentralen Erfindung: dem Wattschen Parallelogramm, das den Wirkungsgrad von Dampfmaschinen entscheidend verbesserte.

Vordenker des Anthropozäns

Crutzens Konzept baut auf älteren Denkansätzen auf. So schrieb der italienische Geologe Antonio Stoppani bereits 1873, es gäbe "eine neue tellurische Macht, die es an Kraft und Universalität mit den großen Gewalten der Natur" aufnehmen könne und spricht in diesem Zusammenhang vom "anthropozänen Zeitalter". 1926 räumte auch der russische Wissenschaftler Wladimir Wernadski ein, dass die menschlichen Aktivitäten immer stärkere Auswirkungen auf den Planeten hätten. Wie sein Zeitgenosse Pierre Teilhard de Chardin bediente er sich dazu des Begriffs der "Noosphäre", um die zunehmende Bedeutung des menschlichen Denkvermögens auf die Gestaltung der Zukunft der Erde zu beschreiben.

Beispiele für den Einfluss des Menschen auf die Umwelt

In den letzten 300 Jahren hat die menschliche Population um das Zehnfache zugenommen, momentan liegt sie bei sieben Milliarden Menschen. Durch den Einsatz fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle, durch die weltumfassende Entwaldung und den Einsatz von stickstoffhaltigem Dünger in der Landwirtschaft wird die Erdatmosphäre mit Treibhausgasen, vor allem CO², angereichert. Zu viel CO² in der Atmosphäre ist schädlich, Folgen sind eine globale Erwärmung und eine Veränderung des Klimas. Nur noch 23 Prozent der eisfreien Erdoberfläche kann noch als natürlich betrachtet werden, der Rest wird oder wurde vom Menschen genutzt. Ebenso wird über 50 Prozent des verfügbaren Süßwassers bereits von der Menschheit genutzt. Der Mensch schafft auch neues geologisches Material, wie Plastik. In den großen Strömungswirbeln der Weltmeere sammeln sich Plastikteile und deren Zersetzungsprodukte. Es gibt Strände, an denen schon 40 Prozent der Strandkörner aus Plastik bestehen.


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