Bayern 2 - radioWissen


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"Freiheit für die Sklaven!"

Von: Volker Eklkofer / Sendung: Gabriele Knetsch

Stand: 23.06.2013 | Archiv

GeschichteRS, Gy

Er ist der erste totale Krieg der Geschichte. Im Amerikanischen Bürgerkrieg prallen Wehrpflichtarmeen aufeinander, Unterschiede zwischen Militärs und Zivilisten gibt es nicht. Vordergründig geht es um das Ende der Sklaverei, tatsächlich aber um die Einheit der Nation.

Bis heute ist der Amerikanische Bürgerkrieg, der das Land zwischen 1861 und 1865 erschütterte und hunderttausende Menschenleben forderte, das große Trauma der USA. Nach der Unabhängigkeitserklärung der ersten dreizehn Vereinigten Staaten 1776 und der Aufnahme immer neuer Territorien in die Union, driften der Norden und der Süden des jungen Staatsgebildes im frühen 19. Jahrhundert mehr und mehr auseinander. Während in den Nordstaaten die Industrialisierung fortschreitet, dominiert im Süden eine auf Sklaverei beruhende Plantagenwirtschaft.

Die wirtschaftlich-demografische Dynamik der Nordstaaten setzt die eher statischen Südstaaten zunehmend unter Druck - zumal Forderungen nach einer Abschaffung der Sklaverei immer lauter werden. Die Gegensätze zwischen dem demokratischen Norden und einem Süden, der sich an aristokratischen Leitbildern orientiert, wachsen stetig. Nach der Wahl des Republikaners Abraham Lincoln zum Präsidenten treten sieben Südstaaten aus der Union aus, vier weitere folgen. Der blutige Kampf um die Einheit der USA entbrennt. Die Kapitulation der südstaatlichen Armeen unter General Robert E. Lee im April 1865 markiert das Ende eines Menschheitsverbrechens, der Sklaverei, in Nordamerika. Der Entwicklung einer geeinten Nation in Richtung Weltmacht steht nun nichts mehr im Wege.

Die Verfassung der USA beruht auf der klassischen Gewaltenteilung nach Montesquieu und führt als zusätzlichen Sicherheitsmechanismus das System der "Checks and Balances" (Gewaltenverschränkung) ein. Den Einzelstaaten sichert sie "Souveränität, Freiheit und Unabhängigkeit" zu und belässt ihnen beträchtliche Kompetenzen im Bereich der Gesetzgebung. Davon machen die Bundesstaaten im frühen 19. Jh. reichlich Gebrauch - vor allem wenn es um die Beibehaltung der Sklaverei im Süden geht. Und während sich im Norden radikale Gegner der unfreien Arbeit, die Abolitionisten, formieren, versuchen Sklavereibefürworter die "besondere Einrichtung" auch auf neu erschlossene Territorien, die in die Union eingegliedert werden, auszuweiten.

Mehr und mehr bläst die Sklavenfrage in einem zerrissenen Land einen politischen Schwelbrand an. Der mittelständisch strukturierte Norden, der im Zuge der Industrialisierung eine beträchtliche wirtschaftliche Dynamik entfaltet, setzt auf Demokratie. Der Süden will von der Sklavenhaltergesellschaft nicht lassen und beharrt auf patriarchalisch-aristokratischen Ordnungsvorstellungen. Auf wachsenden Druck aus dem Norden reagiert der Süden schließlich mit Sezessionsbestrebungen.

An der Wahl des Republikaners Abraham Lincoln zum Präsidenten, dem mehr am Erhalt der Union als an der Abschaffung der Sklaverei gelegen ist, entzündet sich der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine unfertige, noch längst nicht gefestigte Nation klärt zwischen 1861 und 1865 auf blutigem Wege Fragen der Ideologie, des politischen Systems, der Wirtschaftsordnung sowie der Ethik und Moral.


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