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Peter Neumann, Terrorismus-Forscher "Es gibt in Manchester eine Dschihadisten-Szene"

Der deutsche Terrorismus-Forscher am King's College in London, Peter Neumann, ging schon am frühen Morgen von einem Terroranschlag in Manchester aus. Der Experte warnt aber vor voreiligen Rückschlüssen.

Stand: 23.05.2017

Peter Neumann

Nach Terroranschlägen gehört der 42-jährige Peter Neumann zu unseren gefragtesten Gesprächspartnern. Der Politikwissenschaftler ist seit 2008 Direktor des "International Centre for the Study of Radicalisation" am Londoner King’s College.

Auf Bildern und Videos in sozialen Netzwerken sind Menschen in Panik zu sehen. Bei einer Explosion auf einem Konzert der US-Popsängerin Ariana Grande in der Manchester Arena hat es über 20 Tote und etwa 60 Verletzte gegeben. Britische Behörden gehen von einem Terroranschlag aus. An den Ermittlungen sind auch der Geheimdienst und Sprengstoffexperten beteiligt.

"Für ein Attentat spricht natürlich, dass die Polizei selber sagt, es handele sich um Terrorismus. Das ist ein starkes Indiz. Und es ist auch so, dass bei einem Konzert eben nicht einfach Explosionen passieren. Insofern ist auch das ein Hinweis darauf, dass es sich um Terrorismus handelt."

Peter Neumann, Terrorismus-Forscher

Weiter machte Peter Neumann, der auch OSZE-Sonderbeauftragter zur Bekämpfung von Radikalisierung ist, klar:

"Wenn man sich die Situation in Großbritannien anschaut, dann sind natürlich Islamisten oder Dschihadisten die Hauptverdächtigen. Insofern wäre ich nicht überrascht, wenn es so ausgehen würde."

Peter Neumann, Terrorismus-Forscher

Neumann mahnte aber, zunächst herauszufinden, was wirklich beim Popkonzert in Manchester passiert sei. Der Terrorismus-Forscher sagte, dass es in Großbritannien vor allem eine Islamistenszene in London und in Birmingham gebe, aber:

"Es gibt auch in Manchester viel Aktivität. Auch dort werden immer wieder Leute festgenommen. Allerdings: Das ist kein zwingender Hinweis […]. Aber ja, es gibt in Manchester eine Dschihadistenszene, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das auch diejenigen waren, die diesen Anschlag verübt haben."

Peter Neumann, Terrorismus-Forscher


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