Bayern 2 - radioWelt


13

Kommentar Betteln um ein zweites TV-Duell - Martin Schulz macht sich selbst klein

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz würde sich gerne mit Angela Merkel ein zweites TV-Duell liefern. Das hat er in einem Fernsehinterview und auf Twitter betont. Die Kanzlerin lehnt ab - und Schulz steht als Bittsteller da, meint Steffen Jenter im radioWelt-Kommentar.

Von: Steffen Jenter, BR-Politikredaktion

Stand: 13.09.2017

Der kleine Martin möchte im Fernsehstudio abgeholt werden. So verzweifelt wirkt das, was der Kanzlerkandidat der SPD da gerade vollführt. Wie groß muss die Verzweiflung eigentlich sein, dass Martin Schulz jetzt schon Bettelbriefe ins Kanzleramt schreibt? Und natürlich hat Angela Merkel das Ansinnen kalt lächelnd an sich abperlen lassen und abgesagt.

Martin Schulz liegt in der Sache gar nicht so falsch, wenn er mehr über Innenpolitik mit der Kanzlerin diskutieren will. Aber ein solches Vorgehen ist unwürdig für einen SPD-Kanzlerkandidaten und Vorsitzenden einer so stolzen und  traditionsreichem Partei. Und es ist vor allem demaskierend: Spätestens jetzt hat es auch die letzte und der letzte im Land gemerkt, dass Martin Schulz das TV Duell verloren hat. Und offenbar glaubt er auch selbst nicht mehr an einen Wahlerfolg. Das ist peinlich für Schulz. Und das wird die Umfragen mit Sicherheit nicht verbessern.

Schulz hat seine Chance gehabt, sie aber nicht genutzt

Angela Merkel und Martin Schulz im TV-Duell - eine einmalige Sache

Warum hat er es nicht gleich beim ersten und verabredeten einzigen Mal geschafft die richtigen Themen anzusprechen? Nein, nicht Angela Merkel, nicht die Moderatoren und das Format waren daran schuld. Das ist zu billig als Ausrede. Schulz selbst hätte mit einem starken Auftritt die Themen bestimmen können.

Wo steht eigentlich geschrieben, dass einem Kandidaten nicht der Kragen platzen darf im Studio, wenn nur über Außenpolitik gesprochen wird und man lieber über Innenpolitik sprechen will? Stattdessen dachte Schulz oft lange nach über seine vorher gelernten Textbausteine und setzte sie mehrfach eher ungelenk zusammen.

Die Kanzlerin weicht aus - wie so oft

Ja, Angela Merkel drückt sich vor der Auseinandersetzung. Aber das ist nun wirklich nichts Neues. Schulz hätte mehr daraus machen können und müssen. Er war nicht wirklich gut vorbereitet auf das Fernsehduell. Und sein Wahlkampfkonzept insgesamt geht nicht auf.

Nein, bitte nicht noch ein TV Duell dieser Art. Weder von Merkel, noch von Schulz. Der Wahlkampf von Martin Schulz nimmt fast tragische Züge an. Zwischen Mitleid und Kopfschütteln schwankt man als Beobachter. Wer berät eigentlich diesen Kandidaten? Es sind offenbar die Falschen. Der kleine Martin bittet die große Kanzlerin darum dass er noch mal mit ihr debattieren darf. Mit Bittbriefen ist noch keiner ins Kanzleramt gekommen, da muss man schon am Zaun rütteln.


13