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Freitag der 13. "Menschen glauben noch immer absurde Dinge!"

Aberglaube ist nach Meinung des Berliner Kirchenhistorikers Christoph Markschies kein Phänomen der Vergangenheit. In postfaktischen Zeiten werde deutlich, dass Menschen vielleicht sogar gewisse Angstvisionen brauchen.

Von: Christoph Peerenboom

Stand: 13.01.2017

Mehr Unfälle gibt es laut Versicherern an einem Freitag den 13. nicht. Und doch sind nach den Worten von Christoph Markschies von der Humboldt Universität Berlin abergläubische Tendenzen in der Bevölkerung weit verbreitet.

"In einem postfaktischen Zeitalter glauben Leute völlig absurde Dinge. Leute, die keinen Ausländer in ihrem Ort haben, befürchten, dass sie überfremdet werden von ungeheuren Mengen von Ausländern. Vielleicht brauchen Menschen sogar gewisse Angstvisionen, gewisse Vorstellungen, um sich im Leben zu verorten."

Christoph Markschies, Kirchenhistoriker

Natürlich gebe es auch heute noch viele Menschen, die abergläubisch seien. "Denken Sie daran, eine Katze geht in der falschen Richtung über die Straße und zahllose Leute kommentieren das. Das zeigt ja: Ob sie nun glauben oder nicht, dass das für sie eine gewisse Bedeutung hat, ob die Katze von rechts nach links oder von links nach rechts über die Straße geht."

Einfache Botschaft, klare Orientierung

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Aberglaube vereinfache eine komplizierte Welt - das sei im Mittelalter so gewesen, wie auch heute. Die Grundvorstellung früher war nach den Worten von Markschies: Es gibt gute, von Gott beherrschte Seiten dieser Welt und es gibt schlechte, von Dämonen beherrschte. Und diese Seiten zeigten sich etwa an ungeraden Zahlen oder am Freitag, dem Tag, an dem Christus gekreuzigt wurde. Von der Antike bis weit in die Neuzeit sei die Welt so eingeteilt worden. In der Aufklärungszeit verurteilte man diese Sichtweise als zu stark vereinfachend. "Was uns heute als Aberglaube erscheint, ist für die Menschen früher eine klare Orientierung gewesen."

Mit Glaube hat Aberglaube nach den Worten des Kirchenhistorikers nichts zu tun. Abergläubische Menschen würden nicht an einen Schöpfergott glauben, sondern an finstere Mächte, die böses wolten. "Jeder Mensch, der glaubt würde immer sagen: Aberglauben ist das schlimmste, was man machen kann. Einen, in die Freiheit führenden Glauben ersetzen durch einen, bei dem man ängstlich auf Katzen, Daten und Wochentage schaut."


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