Bayern 2 - radioWelt

Einparken ab 67 Rentnerrecht auf Parkplätze

Die Partei der Mitte meint, ältere Menschen würden die Mitte nicht mehr wirklich gut finden. Gemeint ist die Mitte zwischen den Begrenzungslinien einer Parkbuchte. Ob es wohl neben Frauenparkplätzen bald welche für Senioren gibt?

Autor: Heinz Gorr Stand: 16.02.2012
Frauenparkplatz | Bild: picture-alliance/dpa

Die Union hat sich ja schon vor der letzten Bundestagswahl als "Partei der Mitte" positioniert - das klang griffig, eindeutig, volksnah, auch wenn niemand wirklich sagen konnte, wo genau denn diese Mitte liegen soll. Inzwischen scheinen doch etliche die Orientierung verloren zu haben, schauen gar nicht in die Mitte, vielmehr auf Randgruppen, Minderheiten, potenzielle Wähler eben. Der Vorschlag, Kinderlose mit einer Sonderabgabe zu belasten, dürfte nicht dazu angetan sein…

Die Kanzlerin hat ihre junge Gruppe - ein Zirkel, der bislang ungefähr so bekannt war wie der Chef der Senioren-Union - Angela Merkel hat also Randgruppe eins postwendend zurückgepfiffen. Auch wenn hier und da durchaus Sympathien für den Vorstoß geäußert wurden, von Christine Haderthauer beispielsweise: Sie sprach von einer "Gerechtigkeitslücke" zwischen Menschen mit Kindern und solchen ohne. Ihr CSU-Parteikollege Peter Ramsauer hat sich auf Anraten von Herrn Wulff - nein, nicht Christian, sondern Otto - des Vorsitzenden der Randgruppe zwei über eine ganz andere Lücke ernsthafte Gedanken gemacht, die Parklücke. Die Partei der Mitte ist der Auffassung, ältere Menschen würden die Mitte auch nicht mehr so wirklich gut finden, nämlich die Mitte zwischen den Begrenzungslinien einer Parkbuchte. Otto Wulff sitzt der Senioren-Union vor und meint, Rentnerinnen und Rentner fühlten sich vor allem in dunklen Tiefgaragen unsicher.

Was Unionspolitiker Ramsauer, seines Zeichens Bundesverkehrsminister, veranlasste, für extra ausgewiesene Seniorenparkplätze zu plädieren. Alarmierte Pressekommentare aus dem Rheinischen gaben sogleich ihrer Sorge um eine weitere bedrohte Spezies Ausdruck: "Wo stellt ein gesunder 50-jähriger Mann demnächst sein Auto in der Tiefgarage ab?" Bevor man es sich in der Regierungskoalition mit Randgruppe drei, der zahlenmäßig noch nicht erfassten Vereinigung der Parkhausbetreiber verscherzt, hätte man ja zunächst Naheliegendes empfehlen können, etwa: Schalten Sie doch bitte das Licht ein, bevor Sie in düsteren Garagengeschossen aus- oder einparken.

Eine fixe Quote für Seniorenparkplätze wird es von Staats wegen wohl nicht geben, das hat Ressortchef Ramsauer bereits durchblicken lassen, ihm reicht schon die Frauenquote in der CSU. Wenn man den demographischen Wandel in Deutschland so anschaut, könnte es allerdings sein, dass sich solche Detailüberlegungen erübrigen: es wird irgendwann ganze Parkhäuser für kinderlose Rentner geben, inklusive Zufahrtsberechtigung vom Sozialministerium.

Apropos: wo war eigentlich die verantwortliche Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend? Kristina Schröder – jahrgangsbedingt Mitglied der jungen Randgruppe eins – hatte gestern Wichtigeres zu tun, als blechschadenträchtige Autoabstellplätze zu vermessen. Sie traf sich mit der Jugendorganisation des Bundes Deutscher Karneval. Es versteht sich, dass die Narren – jedenfalls mit dem ruhenden Verkehr - kein Problem haben.