Alptraum zum Wochenbeginn Der Zahnarzttermin am Montagmorgen
Beim letzten Mal gab es den fachlichen Rat, sich dreimal täglich die Zähne zu putzen. Und? Was ist daraus geworden? Nix. Im Büroalltag zückt tagsüber niemand die Zahnbürste. Wie fatal.
Mal ehrlich: die Welt ist schlecht, egomanisch und viel zu sehr auf Leistung getrimmt. Das fällt montags in der Früh besonders auf, weil man sich gerade an das Sonntagstempo gewöhnt hat.
Aber es gibt noch Schlimmeres als einen Montagmorgen. Nämlich einen Montagmorgen mit einem Zahnarzttermin.
Auf zum Zahnarzt! Leider, leider leider...
Seltsam: so schlecht, egomanisch und viel zu sehr auf Leistung die Welt getrimmt ist - wer montags erzählt, er habe einen Zahnarzttermin - heute noch -, darf sich in Mitgefühl geradezu baden.
Das liegt im Licht der Zahnarzt-Leuchte betrachtet weniger an den löblichen Fortschritten, die dieses Handwerk seit Doktor Eisenbart, den Badergesellen und anderen Mundklempnern vollbracht hat. Öffentliche Kritik an einem Doktor med. dent. käme sowieso nie über mein Gebiss. Denn ein Kollege, der sich seinem Mundchirurgen gegenüber auf dem Behandlungsstuhl als Journalist outete, versicherte glaubhaft, es gebe zwischen Geburt und Sterben kaum eine hilflosere Situation als mit offenem Mund einem Menschen ausgeliefert zu sein, der sich mit einem Bohrer in der Hand über Fehler in der Berichterstattung ereifert.
Nein, die Angst vor der Sonde ist es nicht allein, die Mitleid erregt, wenn nahe- oder fernstehende Menschen aufbrechen zum Dentisten ihres Vertrauens. Es ist die stete Sorge, selbst nicht genügend Vorsorge zu betreiben.
Auch tagsüber die Zahnbürste zücken! Auch im Büro?
Gab es beim letzten Mal nicht den fachlichen Rat, dreimal täglich die Zähne zu reinigen? Er erlitt leider das Schicksal der meisten Vorsätze: er scheiterte am Alltag. Ist die Oralhygiene zuhause kein echtes Problem - notfalls zitiert man Kindern und sich selbst den alten Werbespot: "Mutti, Mutti – er hat überhaupt nicht gebohrt" - das diszipliniert! So werden alle Vorkehrungen, ganz zu schweigen von Zahnseide und Mundspülung im Arbeitsleben zur Utopie.
Ausgerechnet mittags, wenn die meisten seltsamerweise ihren Hunger stillen, beginnt die kariöse Crux. Als es noch Handwaschbecken in den Büros gab, konnte man die Reißwerkzeuge noch geruhsam von links oben nach rechts unten abbürsten.
Heute wirft sich die Mehrheit aber in Großraumbüros ins Joch, weil nur dort die gewünschte Dynamik ausgelöst, interaktive Synergie gefördert und zudem verhindert wird, dass jemand mit ein wenig Ruhe auf einen vernünftigen Gedanken käme.
Wasserhähne und Waschbecken wurden in diesen Kathedralen der postmodernen Uniformität noch nie gesehen. Und sich einfach fröhlich gurgelnd auf die Herrentoilette zu stellen ist ein Akt des Heldentums. Bleibt das Kauen eines zuckerfreien Gummis oder der Verzicht auf Kaffee oder Tee bis zur Rückkehr nach Hause. Und das reicht nicht, sagt der Zahnarzt und zückt seine Marterwerkzeuge.
Zähne und Büro - alles sauber?
Überhaupt ist der Arbeitsplatz aus hygienischer Sicht so ziemlich der schlechteste Ort menschlichen Daseins. Schlecht bezahltes Reinigungspersonal aus osteuropäischen Beitrittsgebieten versucht mit scharf riechenden Mitteln, den Ausbruch von Pandemien zu verhindern.
Meistens stinkt's dementsprechend – oder anders. Weil die Handtuchrolle oder die Waschcreme gerade wieder am Ende sind, betet man regelmäßig zu Robert Koch und anderen Heiligen der Bakteriologie. Ich weiß: klingt defätistisch. Aber es ist Montag. Und gleich muss ich beim Zahnarzt anrufen. Ungelogen.

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