Lektion Tulpenzwiebel Geheimdienst-Tipps für Ackermann
Hoffentlich bekommt Joe Ackermann von ihm die Tipps, die er sich erhofft: Der Chef der Deutschen Bank hat sich den Ex-BND-Chef als Berater ins Haus geholt. Was kann der ihm schon raten – außer: Behalte immer die Blumen im Blick!
Joe Ackermann hat wirklich schon bessere Tage erlebt als die gerade vergangenen. Heute früh sind wir seinen Gedanken und Grübeleien live zugeschaltet.
Nur 4,3 Milliarden Jahresgewinn! Nur 86 Prozent mehr als im Vorjahr! Und dann diese peinlichen roten Zahlen in der Bilanz! Versaut mir doch ausgerechnet das geliebte Investment-Banking mit 422 Millionen Miesen das Schlussquartal 2011. Es ist zum Heulen. Kann man denn in dieser Welt gar nicht mehr ordentlich spekulieren und fette Gewinne machen und gefälligst die anderen mit satten Verlusten sitzen lassen?
Der Chef der Deutschen Bank hadert zwar noch mit Welt und Geld, doch sinnt er schon auf neue List, mit einem speziellen Helfer: Vor ihm sitzt der neue internationale Risikoberater, um seinen ersten Aktionsplan vorzustellen.
Als Joe die Investment-Banking-Malaise schon witterte mit seinen Großbanker-Nüstern, da hat er ihn vor ein paar Wochen frisch eingekauft: Ernst Uhrlau, den frisch pensionierten Geheimdienstchef, den Ex-Kanzlerflüsterer und Präsidenten des BND. Wer, wenn nicht er müsste in der Lage sein, der Deutschen Bank die krassesten Deals zum Einsteigen und Absahnen auf den internationalen Märkten zu stecken, wenn sie noch echte Geheimtipps sind.
Joe von der Deutschen Bank sieht seinen Risikoberater, den Uhrlau Ernst, vorm inneren Auge schon geräuschlos übers Börsenparkett und durch Bankenlobbies in New York, London, Tokio und Paris schleichen, zu verschwiegenen Treffs mit CEOs, CFOs und COOs, face to face mit Mark Zuckerberg oder mit Steve Jobs Geist irgendwo in der Cloud ...
Doch nichts, gar nichts dergleichen findet Joe auf Uhrlaus ersten Reise- und Operationsplan mit Codename Blume, stattdessen: Wollemien-Auktion bei Sothebys Sydney. Tulpenmarkt Alkmaar. Chelsea Flower Show, London. Tulpenfest in Ottawa.
Was, zum DAX und DOW, Uhrlau, wollen Sie dort? fragt Joe, Ratlosigkeit in der Stimme, seinen frisch erworbenen Geheimrat Uhrlau.
Lernen aus der ersten verstandenen Krise der Welt, Herr Vorstandvorsitzender: der Tulpenkrise. Vorgestern vor 375 Jahren gab es 1.000 Gulden pro Tulpenzwiebel. Aber heute vor 375 Jahren, – Uhrlau deutet auf Joe’s Schweizer Abreißkalender – am 7. Februar 1637 stürzte ihr Preis ins Bodenlose.
Und sardonisch grinsend schiebt er über den Schreibtisch die Fotografie einer unscheinbar anmutenden Blume in Joe Ackermanns Blickfeld.
Vergessen Sie Apple und all den anderen Kram. Wir sollten jetzt schnell in Schneeglöckchen gehen. Das hier ist Galanthus plicatus Bowles. Brachte gerade umgerechnet 420 Euro für ein einziges Knöllchen. Dann halten und dann genau beobachten, und dann...
Als Uhrlau darauf das enzianblaue Leuchten in Joes Augen sah, wusste er: Er hatte gewonnen.

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