Enttäuschte Touristen Bayern – ein verblassender Mythos?
Was ist denn da passiert? So idyllisch kann Bayern aussehen – und die Touristen interessiert das gar nicht mehr? Zugspitze, Wieskirche oder Hofbräuhaus zählen nicht zu den Top 10 der beliebtesten Sehenswürdigkeiten.
Das ist natürlich ärgerlich, wenn die Landschaft dauernd die Aussicht verstellt. Egal, wo man in Bayern das Fenster aufmacht, der freie Blick auf Venedig ist garantiert von den Alpen verbaut, und wer endlich mal in Ruhe den Hamburger Fischmarkt betrachten will, bleibt mit Sicherheit am Spessart hängen.
Egal, in welche Richtung wir die deutschen Sehenswürdigkeiten suchen, überall nur Mittel- und Hochgebirge, und wer sich raufquält, mag zwar hundert Kilometer Fernsicht haben, aber keine Chance, das Heidelberger Schloss, den Kölner Dom oder das Brandenburger Tor zu fotografieren.
Nix Sehenswertes weit und breit – außer Seehofers Modelleisenbahn
Kein Wunder, dass die Touristen von Bayern bitter enttäuscht sind, wie soeben eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung ergeben hat. Murmeltiere, Gemsen und die CSU zählen nämlich weder zum UNESCO-Weltkulturerbe, noch zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten ausländischer Besucher. Und die Modelleisenbahn von Horst Seehofer ist der Öffentlichkeit bekanntlich nicht zugänglich.
Deshalb ruhten bis jetzt alle Hoffnungen der bayerischen Tourismuswirtschaft auf Neuschwanstein, das in asiatischen Schneekugeln und amerikanischen Filmen allerdings auch viel besser zur Geltung kommt als in der natürlichen Umgebung, die oft so neblig ist, dass sich Touristen auf der Suche nach dem Ende der Warteschlange in Österreich verirren.
Ist Ludwig II. wirklich das Verrückteste an Bayern?
Offensichtlich finden die wenigsten zurück, denn Neuschwanstein schaffte es kürzlich nur auf Platz zwei der beliebtesten deutschen Ausflugsziele, hinter Heidelberg. Und das Schlimmste: Die Gäste halten König Ludwig für das Verrückteste an Bayern und nicht etwa die Wahlergebnisse der CSU. Anders ist nicht zu erklären, dass weder die Zugspitze, noch die Wieskirche, ja nicht einmal das Hofbräuhaus unter den zehn beliebtesten deutschen Reisezielen zu finden sind.
Glaubt man der Deutschen Zentrale für Tourismus, finden Ausländer den Kölner Dom, die Dresdener Frauenkirche und die Loreley irgendwie interessanter. Sogar die Insel Rügen fasziniert mehr Gäste als der Königssee, von der Wartburg und dem Lübecker Holstentor ganz zu schweigen.
Sage und schreibe zwanzig Prozent aller Touristen sind enttäuscht, dass in Bayern so wenig zu sehen ist. Seehofer will diesen Nörglern jetzt regelmäßig die unbekannten, aber schönen Ecken unseres Landes zeigen, zum Beispiel die Opposition. Notfalls will er solange bleiben, bis sie als Luftkurort anerkannt ist. Die üblichen Busrundfahrten sollen mit einem Kurzaufenthalt in der Zahnarztpraxis von Wolfgang Heubisch und einem Fotostopp an der BayernLB angereichert werden. Dort können sich die Gäste einen Eindruck verschaffen, wie schön es hätte sein können, wenn es nicht anders gekommen wäre.
Wenn das alles nichts hilft, soll für den Föhn Eintritt genommen werden. Kopfschmerzen zahlen die Hälfte. Und der Alpenstraße kann man solange ihre Serpentinen ankreiden, bis auf der Insel Rügen nichts mehr übrig bleibt. Das verbessert die bayerische Position schon mal um einen Platz.

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