Bayern 2 - radioWelt

Fünf ist Trümpf Was täten wir ohne fünfstellige Postleitzahlen?

Danke Rolf! Du hast uns vor 20 Jahren die fünfstelligen Postleitzahlen vorgestellt. Und noch immer liegt in manchem Haus das Postleitzahlenbuch, das wir in schlaflosen Nächten gerne durchblättern.

Von: Jakob Mayr Stand: 29.01.2013
Rolf - eine Figur aus fünf Fingern, die 1993 Werbung für die Postleitzahlen gemacht hat | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn amerikanische Touristen nach Europa kommen, dann gehen sie erst ins Hofbräuhaus und besuchen anschließend Schloss Neuschwanstein und das historische Rothenburg ob der Tauber. Denn die Vereinigten Staaten verfügen weder über gutes Bier noch über ein Mittelalter und einen verrückten König haben sie schon gar nicht.

An all diesen touristischen hot spots gibt es ausreichend Souvenirs und Toiletten und man kann mit Kreditkarte zahlen. Außerdem sind sie nicht zu verfehlen, denn dort warten schon die anderen US-Touristen.

Wer Postleitzahlen kennt, der ist im Vorteil

Bei Individualreisen allerdings fangen die Schwierigkeiten an. Gerade haben sich wieder fünf junge Amerikanerinnen in Frankreich verlaufen. Sie wollten den weltberühmten Wallfahrtsort Lourdes in Südfrankreich besuchen und landeten stattdessen vor der Kapelle Notre-Dame-de-Lourdes in der Bretagne, gut 800 Kilometer weiter nördlich.

Das soll uns nicht passieren, deshalb merken wir uns zweierlei: Man sollte nicht das Gehirn ausschalten, wenn man das Navi einschaltet. Und: Wer Postleitzahlen kennt ist klar im Vorteil.

Wohin soll's gehen? Nach 5300 Bonn oder 5300 Weimar?

Kein Grund zur Schadenfreude. Wir können von Glück reden, dass es vor 20 Jahren noch kein Navi gab. Hätten wir damals nämlich 5300 eingegeben, um in den weltberühmten Wallfahrtsort Bonn zu gelangen, dann wären wir wohl im historischen Weimar herausgekommen.

Denn nach der Wiedervereinigung gab es in Ost- und Westdeutschland viele Postleitzahlen doppelt – da mochten uns Zeithistoriker noch so oft versichern, Bonn sei nicht Weimar.

Erst kam der Briefträger Walter Spahrbier...

Ein interessanter Schmöker für die Nacht?

Die Verwaltung der Postleitzahlen ist seit jeher bei der Deutschen Post in besten Händen. Sie rät übrigens davon ab, mit Postleitzahlen zu rechnen. Der numerische Wert einer Postleitzahl habe keine Bedeutung, deshalb seien arithmetische Operationen sinnfrei. Immerhin: Oer-Erkenschwick minus Buxtehude ergibt 24.125.

Vor 52 Jahren machte die Post Werbung mit der Kampagne Vergißmeinnicht – die Postleitzahl. Kurz danach kam der Briefträger Walter Spahrbier ins westdeutsche Fernsehen, zu Peter Frankenfeld und Wim Thoelke, und er kam in historischen Postuniformen und manchmal mit falschem Bart.

Walter Spahrbier war nicht lustig, aber er war nach Ansicht der Post ein wünschenswertes Bild des deutschen Beamten und deshalb stellte ihn das Postministerium für vier Tage im Monat frei.

... dann tauchte Fünffinger-Rolf bei uns auf

Was wir an Walter Spahrbier hatten, das merkten wir erst, als vor 20 Jahren Rolf die Bühne betrat. Rolf war eine Comicfigur in Form einer Hand mit Füßen unten dran und Rolf sagte: „Fünf ist Trümpf“. Dabei war Rolf kein türkischer Mitbürger und er war - obwohl gelb - auch kein Werbeträger der Liberalen, der vor dem Unterschreiten der Fünf-Prozent-Hürde warnte.

Rolf warb stattdessen für die neuen fünfstelligen Postleitzahlen. Sie sind eine Erfolgsgeschichte: Seit ihrer Einführung hat sich in Deutschland niemand nennenswert verlaufen. Das Postleitzahlenbuch bleibt ein Millionen-Bestseller, den wir in schlaflosen Nächten immer wieder gerne durchblättern. Das Postministerium wurde abgeschafft: Mission accomplished.

Einziger Wermutstropfen: Franken und Altbayern, zwischen die eigentlich kein Blatt Papier passt, sind durch Postleitzahlen wieder getrennt. Rolf hätte gesagt: Dümm gelaufen.


1