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Weltnudeltag Jedem seine Nudel - zu Recht

Dünn, dick, gedreht, gewalzt - grün, gelb, schwarz oder rot! Sie sind jetzt überfordert? Ach kommen Sie! Das war doch nur der Vorgeschmack auf das, was uns wirklich geboten wird. Denn auf die Länge sind wir noch gar nicht eingegangen. Denn es gibt wohl nichts vielfältigeres als die Nudel.

Von: Ulrich Chaussy Stand: 25.10.2012
Nudeln und Nudelmaschine | Bild: picture-alliance/dpa

Nicht nur wir Deutschen haben sie zum Fressen gern, wie anders kämen wir auf einen Verzehr von acht Kilo pro Jahr und Bürger, alle noch zahnlos nur  die Mutterbrust nuckelnden Säuglinge und alle schon wieder zahnlosen Greise mitgerechnet. Nur unsere italienischen Nachbarn haben zu gleicher Zeit die fünffache Menge verfuttert,  wenn gegen Ende des kulinarischen Jahres als Stichtag und Stunde der Wahrheit der Welttag dieser globalen Speise wieder einmal wie heute im Kalender steht.

Faszinosum aus Mehl und Ei

Sie ahnen etwas? – Sagen Sie nichts!  - Wir lieben sie doch alle, wie auch immer sie dampfend auf unsre Teller glitschen: dick oder dünn, rund oder eckig, glasig oder speckig. Hohl, gestanzt, gefranst, geriffelt. Schier alles kann man aus Ihnen machen. Auch dies Ende der Welt könnte man als würzige Worteinlage aus ihnen erst buchstabieren und dann in sich hineinlöffeln. – Aber sagen Sie besser nichts!

Wie bitte? - Sie meinen, man müsse nicht fürchten, dem Geheimnis, dem Faszinosum, dem Rätsel, dem einzigartigen Mythos,  mithin dieser urgewaltigen Viktualie selbst ihre dionysische und bacchantische Kraft zu rauben, in dem man sie gelegentlich ihres heutigen Welttages an- und ausruft und lobt und preist, und ihr bei ihrem schlichten deutschen Namen zuruft: Danke ihr Nudeln, dass es Euch gibt!

Der schmale Pfad der Tagliatelle

Dass ihr uns mit der ersten Packung Miracoli mit Sauce Bolognese ein nimmer endendes Spaghetti – Begehren in unsere kindlichen Stoffwechsel eingeschrieben habt, als sei’s ein Stück DNA, welche ja geformt ist nach dem Muster der trefflich die Sauce aufsaugenden Nudelsorte Spirelli. Danke auch ihr Nudeln, dass ihr uns über den schmalen Pfad der Linguine auf die breite Straße der Tagliatelle gelotst habt.  Euer lockendes Geheimnis zu ergründen, übte ich, Knöpfle zu reiben und Spätzle zu schaben, und sie in simmerndes Wasser zu schieben.

Auch lernte ich die immer gleiche Teigmischung aus Hartweizenmehl, Wasser, Salz und sonst gar nichts durch die Stahlwalzen der chromglänzenden Nudelmaschine zu kurbeln, worin die so unverdächtig harmlose Reinheitsgebots - Mischung dann doch immer wieder wundersam amalgamiert - zur  weltweit führenden legalen Suchtdroge Nummer eins namens Nudel, die auf der Wäschleine getrocknet, ins Kochwasser geworfen,  in Minutenfrist schaumgeboren al dente dem Kochtopf entsteigt. Pasta e basta.

Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das schon einen Weltnudeltag wert.


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