Bayern 2 - radioWelt

Sehnsucht nach Frühling Ist's an Lichtmess hell und rein...

... wird es ein langer Winter sein! Auf was müssen wir uns da heuer noch einstellen? Johannes Marchl hofft auf eine erleuchtende Eingebung für den Frühling.

Autor: Johannes Marchl Stand: 02.02.2012
Lichtmess-Kerzen | Bild: picture-alliance/dpa

Nein, wir sollten wirklich und wahrhaftig nicht alles übernehmen, was uns die US-Amerikaner so vorleben - und zur Zeit vorwählen. Gerade waren die Republikaner ja - glaube ich - im Nirgendwo des alligatorenverseuchten Florida angekommen. Dem Staat, der mit seinen riesigen Sumpf-Everglades die Schlammschlacht quasi erfunden hat. Bitte nicht auch noch Schlammschlacht-Vorwahlen ums Präsidentenamt in Deutschland, bitte nicht!

Wann übrigens die US-Vorwahlen nach Pennsylvania kommen, weiß ich nicht. Aber dort, in eben jenem Pennsylvania lauert schon die nächste Transatlantik-Übernahme-Drohung, vor der zu warnen gilt. Wenn ich den Namen Punxsutawney Phil ausspeie, sehe ich doch buchstäblich schon das Aha über Ihren Köpfen aufleuchten.

Das haben wir gern: Bei Buchstabieren des Namen Punxsutawney nicht unter fünf Fehlern heimgehen, aber genau wissen: Wenn das Murmeltier Phil über seinen eigenen Schatten springt, uns der Winter noch sechs lange Wochen bringt. Bei solchen Reimen - schämt sich denn hier niemand?! Candlemessday auf Murmeltierbasis am 2. Februar statt die gute alte bayerische Lichtmess?!

Wir können nämlich mindestens genauso gut dichten am Groundhogday wie die Amis: "Ist’s an Lichtmess hell und rein, wird es ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit." Sagt eine alte bayerische Bauernweisheit. Oder: "Ist's zu Lichtmess klar und hell, kommt der Frühling nicht so schnell." So dichtet der echte Bayer.

Auf der anderen Seite, au weh zwick, hoamas dann a - denn jetzt beim Blick auf Thermo-, Hygro- und Barometer, überprüft im Regenradar und letztendlich bestätigt durch wettervorhersage.de schwant uns nichts anderes als nichts Gutes in Form von Sonnenschein an Lichtmess und dem damit verbundenen Ausbleiben des Frühlings.

Weihnachtliche Pyramide in verschneiter Landschaft | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Mariä Lichtmess Wenn das Licht Tempo macht

Vermessen wird an Mariä Lichtmess weder die Länge des Dochts noch der Stand der Sonne. Vermissen mussten wir zuletzt deren Strahlkraft. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt. [mehr]


Kerzen | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel 2. Februar Zu Mariä Lichtmess

Das Fest Mariä Lichtmess feiert die Kirche 40 Tage nach der Geburt Jesu. Nach dem Alten Testament gilt eine Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes und achtzig nach der einer Tochter als unrein und muss ein Schaf und eine Taube dem Priester als Reinigungsopfer übergeben. [mehr]


Kerzen | Bild: Getty Images zum Audio Mariä Lichtmess Zu Besuch in der Kerzenmanufaktur

Ein Luxusprodukt ist die Kerze schon lange nicht mehr. Sie ist ein Gebrauchsgegenstand geworden - der allerdings in der Kirche nach wie vor eine unverzichtbare Funktion erfüllt. Wie die Kirchenkerzen entstehen, das zeigt ein Besuch beim Wachszieher. [mehr]

Aber: Wer ist denn so kleingläubig, bei Lichtmess einer Bauernregel zu glauben. Schließlich war es ja mal durchaus ein Fest des großen Glaubens. Das Ende der Weihnachtszeit, das Fest der Darstellung des Herrn, Maria kommt mit ihrem Jesus-Kind 40 Tage nach der Geburt zum Tempel. Eine Lichtgestalt halt, Hanna und Simeon erkennen das sofort und werden mit dem Ausspruch "Licht, das den Heiden leuchtet" in der Bibel zitiert.

Und wer leuchtet uns jetzt an diesem Tag, zum Beispiel heim aus der Eurokrise? Die Kanzlerin persönlich, einer aus der SPD-Troika , kommt Licht von Grün oder von Gelb? Oder schaut's zappenduster aus, wie mit dem Frühling.

Ach, manchmal wünscht man sich die guten alten Zeiten zurück. Vor Punxsatawney Phil und dem Präsidentenschlamassel. Vor die Zeit mit Euro und Krise. und mindestens vor 1912. Denn da war Lichtmess noch ein gesetzlicher Feiertag – vielleicht nicht in Pennsylvania, aber zumindest in Bayern.