Hollywood Aus dem Kodak-Theatre wird ein Haus ohne Namen
Kodak ist pleite - das hat Folgen, auch für Hollywood: Die Menschen mit großen Namen müssen heuer zur Oscar-Verleihung in ein Haus ohne Namen. Das Kodak-Theatre hat seinen nämlich verloren.
Das Kodak-Theatre darf nicht mehr so heißen. Eastman Kodak ist pleite, deswegen auch nicht mehr der Sponsor der exklusiven Glamourstätte, und die Oscar-Verleihung am 26. Februar wird vermutlich in einem Haus ohne Namen abgezogen.
Pressemeute, aufgepasst! "Wir schalten jetzt live rüber auf den roten Teppich, an den Hollywood Boulevard, nach L.A.", das geht alles noch. Aber: "Ich stehe hier vor diesem Oscar-Theater", das klingt zumindest auf Deutsch zweideutig. Ist auch unwahrscheinlich, so hört man, dass sich noch ein Geld- und Namensgeber findet. Solche Verträge sind so kompliziert, das geht einfach nicht so schnell. Das wäre viel zu gefährlich, das Kleingedruckte nicht monatelang von mehreren Anwaltshäusern abchecken zu lassen, vor allem in den USA.
Wenn Sponsoren ihren Namen hergeben, bringt das nur Probleme
Wahrscheinlich haben McDonald's und Coca-Cola ihre Leute für den Kampf ums Namensrecht schon in Stellung gebracht. Oder es bürgert sich heuer ein, vom nameless theatre zu reden. Das hätte sogar was Ironisches, bei den ganzen Weltberühmtheiten, die sich da versammeln.
Die Geschichte zeigt aber auch die Grenzen allen Sponsorings auf, ob im Kulturbetrieb oder im Sport: Kodak kriegt keine Stars mehr unter Dach und Fach.
Dafür traten die Jungs aus der Veltins-Arena gestern Abend in Pilsen an. Wo die frisch renovierte Arena noch dazu "Doosan" heißt. "Doosan" ist zwar im Ernst ein südkoreanischer Mischkonzern, trotzdem hörte man förmlich die geleerten Bierbüchsen scheppern. Kein Wunder also, wenn auch nach Spiel noch ordentlich gebechert wurde.
Manche Namen versalzen die Stimmung
Es geht allerdings auch umgekehrt: Wer früher ins Münchener Olympiastadion ging, konnte sich vor und nach dem Spiel und in der Halbzeitpause kaum retten vor der Kennmelodie von "Müller Brot, Müller Brot, ja der Müller Brot!"
Er wusste danach jedenfalls, welche Breznsalzer er besonders unvermeidlich fand. Dabei können die einzelnen Franchisenehmer ja gar nichts dafür: Wahrscheinlich steigt derzeit, wo die selling points dieses Hauses garantiert kein Müller-Brot mehr verkaufen, der Absatz wieder. Das ist ungefähr die Wirkung, die der Tscharlie aus den Münchner Geschichten mit seiner Negativ-Werbung erzielen wollte: "Ehrlicher reisen mit Ehrlicher Reisen", so der berühmt gewordene Claim damals.
Augen auf bei der Namenswahl!
Ein Ansatz, wie er für die gleisnerische Filmindustrie natürlich nicht statthaft sein kann. Sie muss schauen, ein ur-US-amerikanisches Unternehmen der eigenen Branche als Sponsor für den Austragungsort der Oscar-Verleihung zu gewinnen.
Wir wissen, spätestens seit der Münchener Sicherheitskonferenz, dass die USA verstärkt nach Asien schauen. Aber Vorsicht, der Nachbarbau zum Ex-Kodak Theatre heißt schon "Grauman's Chinese Theatre"...!
Denkt an Pilsen und Doosan, ihr US-Filmmagnaten, und gebt Acht auf Nikon, Sony und Canon! Und die rührigen Inder vor allem! Sonst wird aus dem Kodak Theatre noch das Bollywood Bowl.

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