Bayern 2 - radioWelt


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Ende der Welt Jahresrückblicke

Was gehört zum Dezember wie der Topf zum Deckel, der Gamsbart zum Trachtler und der Kaschperlanzug zum Dobrindt? Weihnachten?

Von: Helmut Schleich

Stand: 15.12.2017

Auch, aber ich meine jetzt den Jahresrückblick. Und da muss man aus kabarettistischer Sicht sagen, ja, 2017 war ein arbeitsreiches Jahr. Grade nach der Bundestagswahl haben die Pointen zum Teil ja nur noch eine Halbwertszeit gehabt wie Honecker- Witze im Herbst ’89.

Ich selber habe eine ganze Kubicki- Nummer, die fix und fertig war, über Nacht in die Tonne treten müssen, weil dem Lindner plötzlich die Erkenntnis gekommen ist, „Besser nicht regieren als falsch regieren!“ Wo das doch die FDP bis 2013 so gut gemacht hat - falsch regieren…

Dann unser Außenminister Gabriel. Macht der einfach eine Diät und halbiert sein äußeres Erscheinungsbild. Gefühlte Myriaden von Kabarett-Pointen über den kugeligen Sigmar waren obsolet geworden. Und da waren Premium- Pointen dabei! „Immer wenn ich den Gabriel sehe, denk’ ich mir: Dick und doof, das waren doch früher zwei…“ Ein Brüller! Aus. Vorbei.

Bei Schulz war’s genau anders rum. Als der Kanzlerkandidat wurde und auf einmal der sogenannte Schulzzug seine klassenkämpferische Fahrt aufgenommen hatte, von wegen: „weg mit Hartz IV“ und „ja zu staatlicher Investitionspflicht“, da haben wir schon angefangen, unsere ganzen Sozen- Pointen über die ewigen Umfaller und Posten- Schieler einzupacken, bis es dann - oh Wunder -  doch anders gekommen ist und die Pointen ko-ko-nnten wieder raus aus der Gro-ko-ßen Mottenkiste.

Wie gut, dass wenigstens die Kanzlerin beständig bleibt. Der Merkelsche Mehltau lag im Januar genauso über dem Land wie im Dezember und auch in den kommenden Jahren werden uns wohl zwei Mundwinkel regieren. Die regiert, bis der letzte Kabarettist vor ihr kapituliert hat. Das passt ja auch irgendwie zu ihrem Ostdeutschen Migrationshintergrund: „Wer zuletzt lacht, lacht im Westen!“

Bundeskanzlerin scheint ja ein ähnlich attraktiver Posten zu sein wie bayerischer Ministerpräsident

Bundeskanzlerin scheint ja ein ähnlich attraktiver Posten zu sein wie bayerischer Ministerpräsident. Wie sonst wäre der ewige Kampf Söder- Seehofer zu erklären, der die bayerischen Schlagzeilen immer wieder bestimmt hat in diesem Jahr? Zumal ich ja erstaunt feststellen muss: so wie der Söder seit einer Woche grinst, freut er sich offenbar wirklich, dass er demnächst diesen Job hat!?

So, jetzt hätte das ein Jahresrückblick werden sollen und ich bin bei den Namen pappen geblieben. Das kriegen sie aber auch gut hin in der Politik: Die drehen so lange am Personalkarussell bis uns vom Zuschauen schlecht wird. Und wenn’s dann um die Inhalte geht, dann hängt der Bürger schon über der Kloschüssel. Bildlich gesprochen.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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