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Monti fordert: Abnabeln Raus aus dem Hotel Mama!

Da will einer die Nabelschnur durchschneiden, die viele Mamas nach wie vor mit ihren erwachsenen Kindern verbindet: Italiens Ministerpräsident Mario Monti fordert die Jugend auf: Seid flexibel! Können das Bewohner des "Hotel Mama" überhaupt?

Autor: Wolfram Schrag Stand: 10.02.2012
Mario Monti | Bild: picture-alliance/dpa

In Italien ist eine Revolution im Gange und schuld daran ist Mario Monti. Der Ministerpräsident ist nämlich gerade dabei, sein Land neu aufzustellen. Klar, er muss den Haushalt sanieren, damit ihm nicht die ganze Nation um die Ohren fliegt. Zum Beispiel hat er die Steuerfahnder losgeschickt. Die sollen Schwarzgeld aufstöbern, das die Italiener in all den Jahren angehäuft haben, als dies noch offizielle Regierungspolitik war.

Doch was machen seine Landsleute? Raffen das ganze Geld und bringen es über die Schweizer Grenze. Im Tessin gibt es kaum noch freie Plätze in den Tresoren der Banken. Tja, es ist nicht einfach ein Land auf Kurs zu bringen, das sich so verfahren hat wie die Costa Concordia kurz vor der Insel Giglio.

Und nun geht Monti die wirklich großen Themen an. Ja, abseits der Schuldenkrise gibt es noch etwas größeres: Mario Monti hat die Italiener aufgefordert, das Hotel Mama zu verlassen. Nirgendwo sonst in Europa zieht es Jugendliche so spät von Mutters Heim und Herd weg wie dort.

Wobei das Wort "Jugendliche" fast schon euphemistisch ist. Immerhin hat ein Elternpaar in Venedig vor kurzem seinen 41-jährigen Sohn verklagt, um ihn zum Auszug zu bewegen. Also weg vom Topf, den Mama täglich mit wundervoll dampfenden Spaghetti auf den Tisch stellt und mit einem Sugo verfeinert, wie sie ihn in Jahrhunderte alter Familientradition zubereitet hat.

Weg von den Involtini, weg vom Risotto, weg von der Tiramisù. Hinaus, hinaus in die kalte Welt der Eigenversorgung, mit Tiefkühlpizza und einem Weißbrot, das morgens zu weich und abends zu hart ist.

Der Ministerpräsident verlangt seinen jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in der Krise einiges ab. Und doch will er nur ihr Bestes. Der Monti-Plan ist nämlich nichts anderes als ein riesiges Konjunkturprogramm. Denn wer irgendwo auszieht, muss ja auch irgendwo wieder einziehen.

Wenn sich erst einmal das Millionenheer junger Italiener auf die Suche nach einer Wohnung macht, dann werden sich viele fühlen wie Urlauber, die in der Hochsaison eine Pension an der Adria suchen.

Die Vermieter werden die letzten Löcher als Luxus-Appartements anpreisen und entsprechend Geld verlangen. Andere aber werden Wohnungen errichten, ein Bauboom könnte Italien überziehen. Auch schwedische Möbelhäuser werden von der Flucht von Mutters Haus und Herd profitieren.

In Zukunft wird die italienische Jugend nicht mehr "Un Cafè, per favore" bestellen. Der Schlachtruf einer ganzen Generation könnte heißen: "Un Billy, per favore."

Wenn dann noch die heimischen Möbelhersteller mitmachen, könnte daraus ein lang anhaltender Aufschwung werden: Das Monti-Kit mit Bett, Schrank, Tisch, Stuhl und Regal. Und das Kulturministerium könnte noch ein Kochbuch drauflegen: Die 40 besten italienischen Rezepte für Anfänger. Dann sollte es doch eigentlich möglich sein, von Mamas Rockzipfel zu lassen. Das wäre dann in der Finanzsprache: Alternativlos.