Närrische Zeiten Merkel zaubert den Gauck aus dem Hut
Das ging schnell. Fast könnte man meinen, Angela Merkel hätte den "neuen, alten" Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck aus dem Hut gezaubert. Oder ist sie am Ende ganz einfach eingeknickt?
Vorwärts Kameraden – wir müssen zurück! – Das war die Devise im nächtlichen Berlin. Und unsere Kanzlerin hat wieder einmal bewiesen, wie viel sie vom Kanzler-Urvater Adenauer gelernt hat. Der hatte bekanntlich als seine politische Maxime verkündet:
"Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern"
Konrad Adenauer.
Also ist es doch schnell gegangen mit der Bundespräsidenten-Kandidatenkür. Joachim Gauck soll es werden. Und den haben jetzt angeblich plötzlich alle ganz, ganz lieb. Das ging ruck-zuck. Wir haben ja auch langsam Erfahrung mit den raschen Umzügen im Schloss Bellevue. Gleich am Freitag schien sich da eine sehr unkonventionelle Lösung abzuzeichnen: Otto Rehagel geht nach Berlin, hieß es.
Rehakles geht nach Berlin, aber nicht nach Bellevue
Otto Rehagel, das Fußballtrainerurgestein, der Rehakles, der im Fußball immerhin schon mal Griechenland saniert hat. Wäre keine schlechte Wahl gewesen in diesen Zeiten. Aber: er geht natürlich nicht ins Präsidialamt, sondern – mit 73 – als Trainer zu Hertha BSC, eine Berufung , die die Fußballwelt mindestens so erschüttert hat, wie das gleichzeitige politische Beben.
Von Rehagel stammt ein schöner Satz, der auch in der Politik für die gilt, die ganz nach oben steigen. "Erst werfen die Leute mit Blumen", sagte er, "aber dann lassen sie irgendwann die Töpfe dran." Also – Rehagel zu Hertha, Gauck ins Schloss Bellevue, Markus Lanz zu "Wetten dass…"; ein gewisser Roman Lob vertritt uns beim Eurovisions-Song-Contest in Baku – das Wichtige ist geregelt. Zurück zum mühsamen Geschäft des Euro-Rettens.
Und jetzt - weiter im Geschäft
Schnell musste es gehen: erstens weil das Grundgesetz das fordert, aber auch, weil sonst Horst Seehofer Gefallen an der Vertretung gefunden hätte. Und weil man dann - drittens - vielleicht drauf gekommen wäre, dass ein Nebenerwerbspräsident auch funktioniert.
Ende gut – alles gut, verkündete Sigmar Gabriel gestern Abend. Aber stimmt das? Hat die Spitzenrunde im Kanzleramt nicht tiefer gegraben, fragt sich dort niemand, warum uns in letzter Zeit die Bundespräsidenten schneller abhanden kommen als Hertha BSC die Trainer? Merkt niemand, dass des Rätsels Lösung vermutlich im dunkelsten Afrika liegt, in Wagadugu, der Hauptstadt von Burkina Faso.
Präsidentenfallstrick - Wagadugu?
Man muss gar kein hochgradiger Verschwörungstheoretiker sein, um da zu stutzen: Horst Köhler hatte eine Reise nach Wagadugu geplant; wenige Tage davor trat er zurück. Christian Wulff wollte in zehn Tagen nach Wagadugu – wieder nix. Hoffentlich stellt es sich nicht als schwerer Fehler heraus, dass die Berliner Politprominenz bei der Kandidatensuche keine Schamanen und Medizinmänner mit Migrationshintergrund zugezogen hat.¶

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