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Neuschwanstein auf der Euro-Münze Unterwegs für eine Handvoll Kleingeld

Es geht nur um ein paar Münzen, aber Horst Seehofer macht sich extra dafür auf den Weg zu Angela Merkel. Im Kanzleramt wird das neue Zwei-Euro-Stück präsentiert. Hoffentlich sind auf dem Motiv auch alle japanischen Touristen zu sehen.

Autor: Peter Jungblut Stand: 09.02.2012
2-Euro-Münze mit Motiv "Neuschwanstein" | Bild: picture-alliance/dpa

Wechselkurse, Wechselbäder, Wechselstimmung und Wechselgeld gehörten ja bisher nicht gerade zu den ausgesprochen romantischen Dingen. Seien wir ehrlich: Zum Kleingeld haben wir bis jetzt nicht wirklich eine innere Beziehung aufgebaut.

Es soll zwar Leute geben, die sich für einen Cent bücken, aber die wollen es meist nur passend haben, wenn am Sonntag in der Kirche der Klingelbeutel herumgeht. Alle anderen gehen höchstens für einen Euro in die Knie, natürlich auf die Gefahr, dass sie nicht mehr auf die Beine kommen. So fing ja der Schlamassel in Griechenland an.

Auf nach Berlin - und zwei Euro abholen

Dass die Lage allerdings so ernst ist, dass unser Ministerpräsident Horst Seehofer jetzt schon für zwei Euro nach Berlin fliegen muss, war bisher nicht absehbar. Wenn das so weitergeht, reist demnächst wegen einem Fünfer Obama an. Das wäre dann in der Tat eine durch und durch romantische Geste, vor allem, wenn er uns dafür Alaska verkaufen sollte.

Dann hätte Seehofer endlich ein Grundstück, wo er unauffällig die bayerischen Schulden vergraben kann. Aus dem Permaforst kommen die nie mehr heraus. Und sollten sie in fünftausend Jahren zufällig von Bergwanderern gefunden werden, kann sowieso keiner mehr feststellen, wer sie beseitigt hat. Sie werden dann höchstens unter Glas ausgestellt und machen Ötzi Konkurrenz. Besonders romantisch ist das nicht, aber wenn Seehofer immer nur seinem Herzen folgen würde, wäre Dürer längst in Nürnberg, Söder im Ausland und Merkel in Rente.

Die Tränen der Rührung wären in diesem Fall echt, was heute in Berlin möglicherweise nicht der Fall ist. Dort will Seehofer beweisen, dass auf einer Zwei-Euro-Münze fünf Türme und 700.000 Japaner Platz haben, besser bekannt unter dem Namen Neuschwanstein.

Eine Münze reicht nicht für den Eintritt

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Dem Vernehmen nach sind die Touristen aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht, das Schloss soll dagegen einigermaßen gut getroffen sein. Die Wartezeiten sind im Rand der Münze eingraviert, rechts für die Hochsaison, links für Anfang Februar.

Angeblich werden von der Sonderausgabe 30 Millionen Stück geprägt, und leider reicht kein einziges für den Eintritt. Der liegt in Neuschwanstein gegenwärtig bei zwölf Euro. Seehofer kommt natürlich umsonst rein, und für den Bundespräsidenten wird sich schon irgendein Mittelständler finden, der ihn auf der Familienkarte mitnimmt.

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie Angela Merkel die Sondermünze Neuschwanstein emotional verarbeitet. Romanzen liegen der Kanzlerin ja eigentlich fern, und mit Sarkozy ist sie nur noch wegen der Wähler zusammen. Die sollen einigermaßen behütet aufwachsen und nicht eines Tages in den Sozialismus abrutschen. Solange der Wahlkampf noch so jung ist, verbringt die Kanzlerin deshalb mit Frankreich viel Zeit und beendet keinen Besuch ohne Gute-Nacht-Geschichte. Trotzdem hofft Sarkozy inständig, dass es wieder hell wird. Zwei Euro werden da nicht reichen. Aber das hat mit Neuschwanstein nichts zu tun.